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"Was nicht passt, wird passend gemacht" – "Schmieren und salben hilft allenthalben":

Volksweisheiten, deren Wahrheit sich auch bei der Errichtung des Windindustrieparks im Harthäuser Wald eindrucksvoll bestätigt.

 

Was nicht passt, wird passend gemacht:

 

Da gibt es einen Erörterungstermin, in dem aufgrund vorher ausgelegter Unterlagen zum Anlagentyp, der gebaut werden soll, intensiv über die Brandlast, über die Menge von Motoröl, über Standsicherheit im Zusammenhang mit Wirbelschleppen und die Kollisionsgefahr zwischen diesen konkreten Anlagen mit Fledermäusen und Vögeln diskutiert wird.

Und dann wird einfach ein anderer gebaut. Mit 30 % mehr Rotorfläche, also 30 % mehr Kollisionsgefahr und vielleicht auch anderen technischen Gegebenheiten, über die keiner etwas weiß. Egal.

 

Da gibt es eine verantwortliche Beamte des Landratsamts, die auf Nachfrage beim Erörterungstermin erklärt, Vogelbeobachtungen von Bürgern (die ihr bereits vorlagen) seien für das Genehmigungsverfahren durchaus relevant. Und dann steht im von ihr verantworteten Bescheid, daß diese völlig unbrauchbar seien und nicht verwendet werden, weil es sei ja dies und jenes nicht nachgewiesen. (Man könnte es durchaus nachweisen, wenn man wollte.) Was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an. Egal.

 

Die Intelligenz des Rotmilans wird übrigens in der Wissenschaft fürchterlich unterschätzt. Aus der UVS ergibt sich, daß zwei Rotmilanhorste existieren, die aber knapp außerhalb des 1000m-Radius liegen, der doch irgendwie kritisch ist und in dem man intensiver begründen müßte, daß der Rotmilan zur Nahrungssuche nachweislich nur in die andere Richtung fliegt. Aber der ist so schlau, der brütet nur außerhalb, weil er in der Zeitung liest, wo der Windpark geplant wird. Einen Rotmilan innerhalb des 1000m-Radius gibt es nicht. Er kann zumindest nicht nachgewiesen werden. Wenn man oberhalb von der Stelle, wo ein Horst ist, plötzlich einen Rotmilan sieht, kann man damit trotzdem nicht nachweisen, daß der aus dem Horst aufgestiegen ist. Wegen der Belaubung. Man sieht es ja nicht. Und es gibt dummerweise keine Klingelschilder mit Namen an den Horstbäumen. Und man ist ja auch Beamter. Oder Ornithologe und bekommt seine Aufträge von Windkraftfirmen. Im 1000m-Radius gibt es keine Rotmilanhorste, keiner der sechs Greifvögelhorste in diesem Bereich ist ein Rotmilanhorst. Das ist sicher. Alle gegenteiligen Hinweise sind: egal.

Der Rotmilan ist sogar so klug, daß er nur unterhalb 50m und oberhalb 200m fliegt. Er läßt also den Rotorbereich der zukünftigen Anlagen zuvorkommenderweise aus. Entweder kann er in die Zukunft blicken oder er hat Zugang zu allen Unterlagen und diese gründlich studiert. Was für ein weiser Vogel.

 

Da steht im Windenergieerlaß, daß die Zerstörung bedeutender Ökosysteme und der Tod von Tieren mit dem Beitrag zur Energiewende gerechtfertigt werden kann, und es wird ein bestimmter Mindestertrag genannt. Da gibt es SODAR-Messungen, die ungenau sind, und dann gibt es Messungen mit einem Windmeßmast, die wesentlich genauer sind. In die Genehmigungsunterlagen finden aber nur die SODAR-Messungen Eingang, mit drei sich widersprechenden Daten übrigens. Die Messungen mit dem Windmeßmast werden offenbar nicht zu den Akten genommen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Egal.

 

Da steht in der Genehmigung, welche Verkehrsinseln die ZEAG für die Zufahrt rückbauen darf, wodurch sich natürlich ergibt, wie die Zufahrt sein soll – über das Industriegebiet Maisenhälden. Aber das hat anscheinend Kaufland erst hinterher erfahren und gesagt: Nix da. Die Straße gehört uns. Fleischzentrum, Kühlkette, Logistik. Und das Landratsamt sagt zuvorkommenderweise, dann ändern wir halt die Genehmigung, führen die Zufahrt kilometerlang durch den Wald und es werden noch ein paar Bäume mehr gefällt. Egal.

 

Da gibt es da einen Landschaftspflegerischen Begleitplan, in dem steht, was die ZEAG beim Bauen im Wald so alles beachten soll. Öffentlich ist das nicht, es wurden nur Auszüge bekannt, auch wenn die Information mal zugesagt wurde. Egal. In den Seiten, die bekannt wurden, steht zum Beispiel, wie Krötenzäune aufgestellt werden sollen und daß Fledermaushabitatbäume nur zu Zeiten gefällt werden dürfen, die im entsprechenden Jahr leider schon vorbei sind. Macht nix: Man kann das ja anders machen, wenn es fachlich begründet ist, egal was im Plan steht. Die fachliche Begründung übrigens liefert die ökologische Baubegleitung, die von der ZEAG bezahlt wird. Kontrollieren tut die niemand. Der Landschaftspflegerische Begleitplan ist also nicht Richtschnur, sondern äußerste Obergrenze der ökologischen Baubegleitung. Egal.

Ach übrigens, der Joker: Forstarbeiter. Forstarbeiter dürfen, was der ZEAG untersagt ist, z.B. die Hohe Straße auf einer Strecke zerstören, die ausdrücklich geschützt werden sollte. Und die Forstarbeiten werden von wem in Auftrag gegeben? Genau, der ZEAG. Egal.

 

Früher, in meiner Jugend, gab es einen Sponti-Spruch, den ich damals ziemlich doof fand: Legal, illegal, scheißegal.

Und heute bin ich erwachsen und weiß natürlich, daß das alles egal ist: Was nicht passt, wird passend gemacht.

 

Ja, und da gibt es noch die große Vorsitzende des BUND, die Heldin des Widerstands gegen Stuttgart 21. Frau Dr. Dahlbender hat verhindert, daß der BUND Widerspruch gegen vier genehmigte Anlagen einlegt, die der BUND in den Einwendungen abgelehnt hat. Wegen dem Power-to-gas-Projekt in der DLR. Was da eigentlich noch geforscht werden soll, weiß zwar keiner. Und Gas gibt es auch nicht. Ob die DLR das machen will, weiß die DLR laut einem Zeitungsartikel vor einigen Wochen auch nicht. Egal. Aber Frau Dahlbender weiß, daß diese Forschung nicht ohne den Windstrom der Anlagen Jagsthausen 1-3 und Hardthausen 5 möglich ist. (Ich nehme an, da gibt es ein Gutachten des Gutachters Beck, der beweisen kann, daß er immer was völlig anderes gesagt hat, als alle anderen von ihm gehört zu haben glauben – oder selbstverständlich auch das Gegenteil). Entscheidend ist: Frau Dr. Dahlbender hat von Ministerpräsident Kretschmann den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg bekommen. Kretschmann lobte dabei das Demokratieverständnis von Brigitte Dahlbender, die nach dem Volksentscheid über Stuttgart 21 ihr Amt als Sprecherin des Aktionsbündnisses niedergelegt hatte.

Salben hilft allenthalben.

 

Übrigens: Landesgeschäftsführerin ist Frau Pilarsky-Grosch, zuvor Präsidentin des Bundesverbandes Windenergie Baden-Württemberg. Referentin der Geschäftsführerin ist Frau Naumann. Frau Naumann war war zuvor bei der Bodenseestiftung und bei der Deutschen Umwelthilfe.

Auch Herr Dürr-Pücher, der für den Projektentwickler WPD immer wieder öffentlich auftritt, war zuvor bei der Bodenseestiftung und bei der Deutschen Umwelthilfe.

Egal. Wir glauben nicht, daß es da einen Zusammenhang gibt. Alles nur Zufall. Die haben sich bestimmt noch nie gesehen.