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In einem offenen Brief haben wir uns erneut an Staatssekretär Dr. Andre Baumann beim Ministerium für Umwelt, Klima, Energiewirtschaft gewandt.

Aus Sicht der Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald gibt es dringend notwendige Verbesserungen beim Fledermausschutz und es ist ein verbesserter Umgang mit Mitteln des Naturschutzfonds notwendig.

Im konkreten Fall geht es um eine feste Amphibienschutzanlage beim Seehaus (Widdern), die mit MItteln aus den Ausgleichszahlungen des Windparks Harthäuser Wald hätte finanziert werden sollen. Die Gelder liegen jedoch auf Eis, weil die Betreiber schamlos Widerspruch gegen die in den Genehmigungsauflagen festgelegten Zahlungen eingelegt haben und das Regierungspräsidium auch 4 Jahre nach der Genehmigung des Windparks nicht über den Widerspruch entschieden hat!

Den offenen Brief gibt es hier: >>klick<<

 

Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. vom 12.11.2018


Besorgniserregende Häufung von Schlagopferfunden im Windpark Harthäuser Wald


Seit dem 6.11.2018 wurden an den Windkraftanlagen im Harthäuser Wald bei Stichprobensuchen bereits 6 tote Fledermäuse gefunden und zur Landesuntersuchungsanstalt
Fellbach zur Obduktion weitergeleitet. Der Abschaltalgorithmus zum Schutz der Fledermäuse ist ab November ausgesetzt. Bei der jetzigen milden Witterung sind die Fledermäuse jedoch nach wie vor sehr aktiv und werden so vermehrt von den Rotoren erschlagen.

Nur einen Tag nachdem das Bundesamt für Naturschutz eine große Studie zum Thema Fledermäuse und Windenergieanlagen im Wald vorgestellt und dabei einen besseren Schutz für notwendig erachtet hat, erklärt das Landratsamt Heilbronn, daß nach dem Tod von mehreren 100 Fledermäusen im Jahr 2016 keine weiteren Schutzmaßnahmen erforderlich sind und das Töten ungestört weitergehen kann. Die Gewinnerzielungsinteressen des Betreibers (die ZEAG, eine Tochter des Staatsunternehmens EnBW) zählen mehr als der Fledermausschutz; wobei die Gewinne maßgeblich bekanntlich von den Bürgern bezahlte Subventionen sind.

Durch den Zugriff des Menschen auf immer mehr Lebensräume der Tiere geraten diese zunehmend in Bedrängnis. Zahllose sind bereits ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder stehen auf der Roten Liste bzw. Vorwarnliste. Viele Menschen erinnern sich, in ihrer Jugend beispielsweise häufig Feuersalamander oder Eidechsen gesehen zu haben. Aber kaum jemand fragt sich, weshalb man sie heute nur noch selten zu Gesicht bekommt. Stattdessen ärgert man sich, wenn hohe Summen ausgegeben werden um letzte größere Vorkommen zu retten, weil diese bei der Planung nicht berücksichtigt wurden.

Fledermäuse benötigen zahlreiche Quartiere, die sie je nach Art in Baumhöhlen, hinter Baumrinden, Spalten, Höhlen, Dachstühlen oder Fensterläden finden. Manche Arten wechseln die Quartiere sehr häufig. Baumhöhlen werden aber auch gerne von anderen Arten wie Vögeln oder Bilchen (z.B. Siebenschläfer) genutzt. Es besteht ein hoher Konkurrenzdruck und mithin Bedarf an Quartieren. In Wirtschaftswäldern ist die Anzahl der Quartiere – bedingt durch das durchschnittlich jüngere Baumalter - naturgemäß niedriger. Leider hängt der Parasitenbefall direkt mit der Anzahl der verfügbaren Quartiere zusammen. Mehr Unterkünfte tragen direkt zur Fitness der Tiere bei.

Amphibientod bei Baubeginn

Vor kurzem wurde damit begonnen, die Flächen für die neu genehmigten zusätzlichen 4 Windkraftanlagen im Harthäuser Wald zu roden. Auf den Flächen befanden sich zahlreiche Amphibien im Winterschlaf, vergraben unter Reisighaufen und Laubstreu sowie in kleinen Erdlöchern. Diese Amphibien haben die Rodungen das Leben gekostet. Es gibt zwar ein "Amphibienschutzkonzept", aufgestellt vom Gutachterbüro Beck, das jedoch deutliche Mängel aufweist und zudem viel zu spät und unsachgemäß durchgeführt wurde.So wurden zwar einzelne Bäume auf den Flächen mit Zäunchen ummantelt, damit sich die Amphibien dort nicht eingraben können. Was wenig nützt, da gleich daneben, ebenfalls auf den zu rodenden Flächen, sowohl Baumstubben mit Höhlungen als auch zahlreiche
Totholzhaufen liegen.

Das Landratsamt wurde vergeblich auf diese Mängel hingewiesen. Für die Rodungen wurde Sofortvollzug angeordnet, weil mit  Widersprüchen der Naturschutzverbände gerechnet wurde! So wird das Naturschutzrecht zugunsten einer Industrielobby
ausgehebelt.

In der Bauphase besteht im Hinblick auf das völlig mangelhafte "Amphibienschutzkonzept" zudem die Gefahr der Tötung von Amphibien in großem Umfang sowohl während der Amphibienwanderung im Frühjahr (in wenigen Wochen), der Rückwanderung im späteren
Frühjahr und der ersten Wanderung von Jungtieren im Sommer.

Die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. fordert, dass die Untere Naturschutzbehörde in eigener Sachkunde die ordnungsgemäße Umsetzung von Naturschutzauflagen prüft, bevor Eingriffe zugelassen werden.

Die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. fordert, dass die ökologische Baubegleitung in Zukunft generell nicht von dem Gutachterbüro durchgeführt wird, das im Auftrag des Vorhabensträgers Umweltgutachten erstellt hat, sondern von einem unabhängigen Sachverständigen, der von der Unteren Naturschutzbehörde zu bestellen ist.