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Pressemitteilung

In einem offenen Brief wendet sich die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. an das Umweltministerium, an das Landratsamt Heilbronn sowie an die den Landkreis Heilbronn vertretenden Mitglieder des Landtags:

>> offener Brief <<

Die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. hat sich im Zusammenhang mit der Planung des derzeit größten Windparks in Baden-Württemberg gegründet und versteht sich als lokale Naturschutzorganisation, die z.B. während der mehrwöchigen Amphibienwanderungszeit über 2000 Tiere retten und die in Baden-Württemberg sehr seltene Gelbbauchunke im Harthäuser Wald an mehreren Stellen nachweisen konnte.

Aufgrund der aktuellen, dramatischen Entwicklung hat sie den heutigen offenen Brief an die im Verteiler genannten Stellen versandt. Die meisten der Schlagopfer wurden nicht nur an die bundesweite Meldedatei in Brandenburg mit dem entsprechenden Formblatt gemeldet, sondern auch zur Untersuchung der Todesursache an die zuständige CVUA in Stuttgart gesandt.

 

Es ist sehr traurig: Nachdem am Osterwochenende ein Rotmilan Opfer der Windkraftanlagen wurde, gab es in den letzten Tagen weitere Meldungen: Ein Mitglied einer anderen Naturschutzorganisation hat einen toten Habicht bei der Anlage J-3 gefunden. Und ein Mitglied der Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald einen Wespenbussard bei der Anlage H-4. Für den Wespenbussard hat die Brutzeit gerade begonnen, so daß möglicherweise auch die Brut nicht überlebt. Beim gleichen Standort H4 wurde vor einigen Tagen auch ein Rotmilan beobachtet, der über einen längeren Zeitraum dort gekreist ist (also nicht im Vorbeiflug). Den Wespenbussard hat das Büro Beck im Harthäuser Wald als Brutvorkommen nicht feststellen können, so daß die Gefährdung nicht untersucht wurde (was natürlich auf das Ergebnis keine Auswirkungen gehabt hätte).

Der Habicht war "Vogel des Jahres" 2015. Der Wespenbussard ist streng geschützt, die Bestandsentwicklung war zuletzt negativ, so daß er in eine Vorwarnliste aufgenommen wurde.

Die Fotos zeigen Auffindesituation und den toten Wespenbussard.

Außerdem wurde von dem Mitglied einer anderen Naturschutzorganisation auf dem Betonfundament der Anlage bei Seehaus zwei tote Zwergfledermäuse gefunden, die wohl am Barotrauma gestorben sind. Das wirft ein grelles Licht auf den nicht funktionierenden Abschaltautomatismus bei Fledermauswetter, der von Vereinsmitgliedern bereits mehrfach moniert wurde. Die allenfalls mögliche Geldstrafe für die Ordnungswidrigkeit würde die ZEAG aber sicher aus der Portokasse bezahlen.

Schlechte Nachrichten erreichen uns aus dem Harthäuser Wald: Am Osterwochenende wurde bei der Anlage J 1, also mitten im Wald, von einem Forstmitarbeiter ein schwer verletzter Rotmilan gefunden. Er wurde zum Tierarzt gebracht und musste dort leider eingeschläfert werden. Die Todesursache wurde untersucht. Es wurde festgestellt, daß der Rotmilan von der Windkraftanlage getötet worden ist. Die Meldung wurde an die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt, an das Regierungspräsidium und die Meldestelle bei der Vogelschutzwarte Brandenburg geschickt. Festzuhalten ist, daß der oder die Forstmitarbeiter hier sehr umsichtig gehandelt haben. Leider muß aber auch konstatiert werden, daß die Behauptungen zu Flugrouten (über dem Wald fast nie) und Flughöhen (in Höhe der Windkraftanlagen fast nie) sich bereits nach wenigen Monaten Laufzeit als unhaltbar erwiesen haben.

Das Landratsamt hat am 30.3.16 eine Amtliche Bekanntmachung zur Erweiterung des Windparks Harthäuser Wald um 5 Anlagen in der Heilbronner Stimme abdrucken lassen. Die Unterlagen liegen bis zum 4. Mai aus bzw. sind unter http://www.landkreis-heilbronn.de/amtliche-bekanntmachungen.9861.htm einsehbar. Schriftlich Einwendungen können bis zum 18. Mai 2016 erhoben werden. Erörterungstermin für Widdern und Hardthausen ist am 15. Juni im Bürgerhaus Kochersteinsfeld.

Hier ein kurzer Pressebericht über die Gründung unseres Vereins:

http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/kocher-jagst/Gegen-Windkraft-auf-Kosten-der-Natur;art1908,2846626