Die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. ist ab 2017 Mitglied in folgenden Naturschutzverbänden:


Naturschutzinitiative e.V.

Die Naturschutzinitiative wurde von Harry Neumann, ehemaliger Landesvorstand des BUND in Rheinland-Pfalz, gegründet.

http://naturschutz-initiative.de/


Verein für Landschaftsfpflege und Artenschutz in Baden-Württemberg (VLABW) e.V.

Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Baden-Württemberg (VLABW) ist ein Landesverband des Vereines für Landschaftspflge und Artenschutz in Bayern (VLAB).

http://www.vlabw.de/


Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden‐Württemberg e.V.

In der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg (AGF) haben sich auf Landesebene im Umwelt- und Naturschutz tätige Vereinigungen und Personen zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, die Fledermausbestände im Land zu stabilisieren und gezielt zu verbessern.

http://www.agf-bw.de/

 

Bewertung der Fledermausaufnahmen 2016:

Alle Fledermausarten sind in Deutschland und ganz Europa streng geschützt. Es gilt das Verschlechterungsverbot. Für einige der im Harthäuser Wald nachgewiesenen Arten haben wir „besondere Verantwortung“. Alle Fledermäuse sind als äußert effektive Insektenjäger für uns Menschen sehr wichtig; ohne sie wird sich der Einsatz an unsere Lebensmittel vergiftenden Pestizide erhöhen. Da die Tiere nur ein Junges pro Jahr großziehen, selten mal zwei und in manchen Jahres gar keines, sind ihre Populationen für Störungen und Verluste sehr anfällig. Seit rund 50 Millionen Jahren auf der Erde lebend, hab sich ihre Lebensweise als sehr evolutionsstabil erwiesen, der Mensch aber ist dabei, sie in starke Bedrängnis mit der Gefahr der Ausrottung zu bringen. Die Bechsteinfledermaus war als im Wald lebende Art früher sehr verbreitet; infolge der starken Zugriffe des Menschen auf den Wald ist ihr Lebensraum zwischenzeitlich so eingeschränkt worden, dass sie zu den Arten zählt, für die wir besondere Verantwortung tragen.

Als die 14 Windkraftanlagen im Harthäuser Wald genehmigt wurden, wurde ein sogenannter Abschaltalgorithmus verbindlich festgelegt. Dieser verbietet den Betrieb der Anlagen  von April bis Oktober wenn mit Fledermausaktivitäten zu rechnen ist. Das impliziert, dass bei regelrechtem Betrieb der Anlagen wenige Aktivitäten zu erwarten wären.

Der Algorithmus sieht vor, dass die Windenergieanlagen zwischen 1.4. und 31.8. eine Stunde vor Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang abschalten müssen, im September und Oktober bereits 3 Stunden vor Sonnentergang. Der Betrieb ist in diesen Zeiträumen nur rechtmäßig, wenn die Windgeschwindigkeit in Gondelhöhe >/= 6m/s beträgt, oder eine Temperatur in Gondelhöhe </= 10 °C gemessen wird. Das lässt erwarten, dass unter diesen Bedingungen Fledermäuse weniger oder nicht aktiv sind. Dies zu untersuchen war Ziel der Fledermausaufnahmen.

Es wurden an 65 Zeitpunkten zwischen 5.7. und 31.10. etwa 280 Aufnahmen der Fledermausaktivitäten an unterschiedlichen Orten im Harthäuser Wald erstellt. Davon wurden 71 Aufnahmen von 43 Zeitpunkten veröffentlicht. Bei einer ist der Betrieb der Windenenergieanlagen nicht dokumentiert, weshalb sie in der unteren Tabelle nicht berücksichtigt werden konnte.

Zunächst stellte sich heraus, dass die Windenergieanlagen im Jahr 2016 sehr häufig nachts in Betrieb waren.

Monat

Anzahl der Zeitpunkte, nach denen Aufnahmen veröffentlicht wurden

Anzahl  der Zeitpunkte, in denen die Anlagen betrieben wurden

Anzahl der Zeitpunkte, in denen die Anlagen „abgeschaltet“ waren

Anzahl der Zeitpunkte, in denen die Anlagen betrieben wurden in Prozent

Juli

 

8

6

2

75

August

 

11

11

0

100

September

 

12

6

6

50

Oktober

 

11

9

2

81,82

gesamt

42

32

10

76,19

Im Untersuchungszeitraum trat mitunter leichter Wind auf; Starkwindereignisse gab es nicht. Dennoch waren hohe Fledermausaktivitäten feststellbar. Da uns die Betriebsdaten, d.h. Windgeschwindigkeiten nicht bekannt sind, können wir nicht beurteilen, ob es sich bei dem leichten Wind um Stärken >/= 6m/s gehandelt hat. Sollte dies der Fall gewesen sein, muss der Algorithmus dringend nachgebessert werden, da das bedeutet, dass Fledermäuse auch bei höheren Windgeschwindigkeiten sehr aktiv sind.

Datum

Intensität

FM - Aktivität

Ort

11.7.

leicht windig

+++

Waldrand Ziegelsteige

29.7.

leichter Wind

+++

+++

WI1

Ziegelsteige Gingko

2.8.

leichter Wind

+++

+++

WI1

Ziegelsteige Nähe Gingko

8.8.

leichter Wind

+++

+++

Bopp See

M2

17.8.

leichter Wind

+++

Gingko

21.8.

leichter Wind

++

+++

++

Seehaus

Bopp See

WI1

28.8.

leichter Wind

+++

Bopp See

4.9.

windig

+++

Gehöft Ziegelhütte

6.9.

windig

+

+++

WI1

Bopp See

24.9.

leichter Wind

++

+++

Seehaus

Burkhardtsruhe

28.9.

leichter Wind

+++

+++

+++

++

Burkhardtsruhe

Seehaus

H4

H1

1.10.

leichter Wind

++

++

+++

WI1

Waldrand Ziegelsteige

Burkhardtsruhe

2.10.

sehr windig

++

++

Bopp See

Seehaus

13.10.

tw. windig

++

++

H4

Burkhardtsruhe

18.10.

leicht windig

+++

Burkhardtsruhe

29.10.

leichter Wind

++

Seehaus

 

Da die Temperaturen für den Algorithmus eine Rolle spielen und postuliert wird, unter bei 10 °C und niedrigeren Temperaturen seien Fledermäuse nicht aktiv, (weshalb sich bei diesen Temperaturen die Windenregieanlagen drehen dürfen), interessierten natürlich auch die Aktivitäten unter diesen Bedingungen. Im Oktober war es nachts häufig sehr kühl. Man konnte feststellen, dass Fledermäuse bis etwa 5 °C noch mittlere bis hohe Aktivitäten zeigen. Auch in Bezug auf die Temperatur muss der Algorithmus dem tatsächlichen Verhalten der Tiere angepasst werden.

 

Datum

Temperatur

 in °C

FM - Aktivität

Ort

21.09.

8 °C, morgens

++

Seehaus

21.09.

10 °C, abends

++

+++

Seehaus

Burkhardtsruhe

11.10.

7 °C

+

++

Seehaus

Burkhardtsruhe

12.10.

5 °C, morgens

+

Burkhardtsruhe

12.10.

7 °C, abends

++

++

Seehaus

Burkhardtsruhe

13.10.

9 °C

++

++

H4

Burkhardtsruhe

23.10.

9 °C

+++

++

++

Burkhardtsruhe

Seehaus

M2

29.10.

8 °C

++

++

WI4

Seehaus

31.10.

7 °C

+

+

WI4

WI1

31.10.

6 °C

++

M2

31.10.

5 °C

++

WI4

 

In diesem Jahr waren mehrere Entwicklungen sehr auffällig:

- die Anlagen M2 und WI1 am äußersten westlichen Ende wurden wegen geringer Störgeräusche durch Grillen im Sommer sehr häufig aufgesucht. Die Fledermausaktivitäten waren hier sehr hoch. Im weiteren Verlauf erloschen sie zunehmend. Nach dem letzten Totfund einer Mückenfledermaus Anfang September bei M2 waren gar keine Aktivitäten mehr nachweisbar. Die meisten Totfunde wurden an diesen beiden Anlagen gemacht. Es könnte vermutet werden, dass die Fledermäuse aus Möckmühl und den Habichtshöfen an diesem Ende in den Wald einfliegen und hier mit den Anlagen „in Berührung“ kamen.

- Im Oktober waren die höchsten Aktivitäten unweit der Grillstelle Burkhardtsruhe nachzuweisen. Dieser Platz ist umgeben von Offenland in der Nähe zum Waldrand. Zu allen Zeitpunkten davor fanden hier jedoch kaum Aktivitäten statt. Man könnte hier deshalb eine Flugroute annehmen.

- Durchgehend waren am Seehaus Fledermausaktivitäten nachzuweisen. Hier wurden Quartiere festgestellt, Wochenstuben sind zu vermuten. Selbst in den tw. milden Nächten im November sind die Aktivitäten hier bei milden Temperaturen unerwartet hoch.

- Die sehr hohen Aktivitäten Anfang Juli (bei allen Aufnahmen) wurden im weiteren Jahresverlauf zu keinem Zeitpunkt an keinem Ort mehr erreicht, lediglich näherungsweise zum Saisonende an der Burkhardtsruhe.

Die Ursachen für die nachlassenden Aktivitäten im Jahresverlauf im gesamten Harthäuser Wald mögen vielfältig sein, ebenso das Erlöschen jeglicher Aktivitäten am westlichen Ende des "Windparks". Wir hoffen sehr, dass nicht bereits nach dem ersten Betriebsjahr die Fledermauspopulationen erheblich geschädigt wurden. Die zahlreichen Funde von Schlagopfern lassen (in Verbindung mit den nachlassenden Aktivitäten) jedoch Schlimmstes befürchten.

Insgesamt ist zu wünschen, dass das LRA Vernunft walten lässt und keine weiteren Anlagen genehmigt werden; zumindest sollte auf WIII1 in unmittelbarer Nähe zum Seehaus verzichtet werden, sowie auf H6B, für dessen Errichtung Habitatbäume fallen müssten, und sich zudem zahlreiche Quartierbäume in gefährlicher Nähe befinden. Außerdem muss der bestehende Algorithmus angepasst werden und mit der Ausarbeitung ein Experte beauftragt werden, beispielsweise Dr. Robert Brinkmann.

Nachtrag Feb. 2017:

zwischenzeitlich liegt das Fachutachten von Dr. Robertt Brinkmann zum Betrieb der Anlagen von April bis Juni vor. Seine Empfehlungen sind u.a. eine Ausweitung der Abschaltzeiten und eine unabhängige Schlagopfersuche. Er erwähnt jedoch auch das von Büro Beck durchgeführte Fledermausmonitoring am Windmessmast 2014. Demnach kam es - wie erwartet - im September zu den höchsten Aktivitäten. Bei unseren Aufnahmen 2016 fand sich im September ein Tiefpunkt der Aktivitäten - was wir sehr beunruhigend finden. Wenn bereits nach dem ersten Betriebsjahr ein so deutlicher Rückgang an Aktivitäten verzeichnen lässt, lässt dies Schlimmes ahnen. Wir sind gespannt, wie sich die Situation 2017 darstellt....!

Das LRA HN sieht dennoch keine Veranlassung, die Empfehlungen umzusetzen.

Was ist zu tun, wenn tote oder verletzte Tiere im Wald - insbesondere unter Windenergieanlagen - gefunden werden?

Prinzipiell gilt: Alle Funde sollten gemeldet werden, selbst wenn es sich um bereits teilweise verweste Tiere handelt.

Insbesondere potentielle Schlagopfer der Windenergieanlagen sind derzeit unbedingt zu melden. Dazu haben wir eine Email-Adresse eingerichtet: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ein ganz allgemeiner Leitfaden zum Umfang mit in der Natur aufgefundenen Wildvögeln wird aktuell von uns mit der untereren Naturschutzbehörde abgestimmt und danach hier online gestellt.

Man unterscheidet in Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen und solche, die nicht dem Jagdrecht, aber dem Naturschutzrecht unterliegen. Viele Greifvögel und alle Fledermäuse fallen dabei nicht unter das Jagdrecht und sind demzufolge dem zuständigen Landratsamt (untere Naturschutzbehörde), ggf. auch Polizeidienststellen und Gemeindebehörden zu melden.

Für Totfunde gilt der Grundsatz, dass das Tier am Ort zu belassen ist. Um jedoch die Todesursache grundsätzlich zu untersuchen, ist es notwendig, dass das Tier vom CVUA Stuttgart (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart) untersucht wird. Dies ist für potentielle Schlagopfer notwendig.

Zusätzlich ist bei wahrscheinlichen Schlagopfern ein Meldebogen für die zentrale Fundkartei über Anflugopfer an Windenergieanlagen (WEA) auszufüllen (Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt des Landes Brandenburg, vgl. dazu http://www.lugv.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.312579.de). Der Meldebogen ist hier zu finden. Bitte Fotos der Tiere beifügen.

Vor Ort:

  • Fotos von der Fundsituation (Fledermaus + WEA)
  • detaillierte Fotos der Fledermaus, am besten Lineal oder anderes Zentimetermaß danebenlegen, Ohren und Schnauze sollten auch gut zu erkennen sein, um die Art eindeutig bestimmen zu können
  • Entfernung zum Turm und Himmelsrichtung notieren
  • Nummer der WEA notieren (steht auf der Tür)
  • Fledermaus vorsichtig in Plastikbeutel, z.B. Gefrierbeutel befördern

    Wenn Sie das Fundtier nicht mitnehmen wollen, so benötigen wir umgehend Nachricht, damit es sichergestellt werden kann (z.B. Whatsapp an: 0176-99084050 oder Email an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Zu Hause:

  • Falls Versenden am gleichen Tag nicht mehr möglich, Fledermaus in Kühlschrank legen; jedoch nicht einfrieren (ein Barotrauma bei Fledermäusen wäre damit nicht eindeutig zu differenzieren)
  • Meldebogen (sh. oben) ausfüllen und per Email an die Adresse im Meldebogen verschicken.
    Kopie des Meldebogens bitte an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! sowie die untere Naturschutzbehörde beim zuständigen Landratsamt (Heilbronn bis auf Anlage F-1, hier ist es der Hohenlohekreis)
    Wir können prinzipiell auch die Weiterleitung an die notwendigen Stellen übernehmen. Bitte ggf. kurze Mitteilung.
  • Bitte Fotos anhängen
  • Bei einigermaßen frischen Tieren (die noch nicht deutlich verwest sind): Verschlossenen Plastikbeutel mit Fledermaus in kleinen Karton verpacken (am besten mit Luftbläschenfolie), Begleitschreiben mit Bitte um Untersuchung dazulegen, der Einfachheit halber auch Kopie vom Meldebogen, adressieren an: CVUA Stuttgart, Schaflandstr. 3/2, 70736 Fellbach. Möglichst sofort zur Post bringen. Wem es nicht zu teuer ist, Expressversand.
    Hier können wir die Kosten übernehmen. Wir bitten dann um zeitnahe Informationen, wo das Tier zu finden ist! (z.B. Whatsapp an: 0176-99084050)
  • Bei schon stärker verwesten Tieren bitte folgendermaßen vorgehen (gemäß Informationen von H. Dürr, LUGV Brandenburg):
    Da die Bestimmung der Arten doch Restzweifel aufkommen lässt wäre es hilfreich, wenn man die Fledermäuse, die nicht eingesandt werden, mitnimmt und in saugfähigem Papier eintrocknen lässt, damit sie später an Schädelmerkmalen, Unterarmlänge und einigen weiteren Merkmalen sicher nachbestimmt werden. Es wäre schade, wenn da die eine oder andere seltenere Art unentdeckt bliebe. Getrocknete Tiere kann man später in Zellstoff eingewickelt und mit Bleistift beschriftet in einem Glas o.ä. geruchsneutral lagern und versenden. Das kann "am Ende der Saison" erfolgen und vielleicht findet sich noch jemand vor Ort, der die Tiere nachbestimmen kann.
    Da diese Vorgehensweise nicht jedermanns Sache ist können wir das ggf. für Sie übernehmen. Wichtig ist, dass der Fund auf alle Fälle gemeldet wird.

 

Die ernüchternde Bilanz des ersten Betriebsjahres hat unser Vereinsmitglied Udo Thierl auf Facebook zusammengefasst.
>> Hier geht es zur Facebook-Seite.<<

Details zur Schlagopfersuche sind hier zusammengestellt: http://www.schutzgemeinschaft-harthaeuser-wald.de/j/index.php/54-fazit-der-schlagopfersuche-2016

 

Pressemitteilung

In einem offenen Brief wendet sich die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. an das Umweltministerium, an das Landratsamt Heilbronn sowie an die den Landkreis Heilbronn vertretenden Mitglieder des Landtags:

>> offener Brief <<

Die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. hat sich im Zusammenhang mit der Planung des derzeit größten Windparks in Baden-Württemberg gegründet und versteht sich als lokale Naturschutzorganisation, die z.B. während der mehrwöchigen Amphibienwanderungszeit über 2000 Tiere retten und die in Baden-Württemberg sehr seltene Gelbbauchunke im Harthäuser Wald an mehreren Stellen nachweisen konnte.

Aufgrund der aktuellen, dramatischen Entwicklung hat sie den heutigen offenen Brief an die im Verteiler genannten Stellen versandt. Die meisten der Schlagopfer wurden nicht nur an die bundesweite Meldedatei in Brandenburg mit dem entsprechenden Formblatt gemeldet, sondern auch zur Untersuchung der Todesursache an die zuständige CVUA in Stuttgart gesandt.