Kurz gesagt bekamen wir die übliche Mischung von Information, Halbwahrheiten und Unwahrheiten zu hören. Herr Endreß hat von den nicht genehmigten Standorten, z.B. Hardthausen 6, in der Vergangenheitsform („geplant war“) gesprochen und nur auf Nachfrage zugegeben, daß gegen die Ablehnung Widerspruch eingelegt worden ist bzw. möglicherweise noch einlegen wird. Die Planung ist keinesfalls aufgegeben.

Der Enercon-Mitarbeiter erklärt, auf der Seehausfläche werde ein Zwischenlager eingerichtet und die Zufahrt würde nicht ab der Autobahnabfahrt Möckmühl über Maisenhälden, sondern über die Kreisstraße auf der anderen Seite der Autobahn erfolgen, aus Naturschutzgründen. Das ist, wie ausgerechnet Herr Beck erklärt, glatt gelogen: Das Kaufland war dagegen. Was also lernen wir: Das Kaufland und die Logistikabläufe seines Fleischzentrums können den Planungen der ZEAG in die Quere kommen, Kaufland ist mächtiger als die ZEAG und Kaufland vermag, was FFH-Schutzgebiete, Fledermäuse und Rotmilane nicht können. Dazu kommt: Nach den Erfahrungen mit dem Schwerlastverkehr auf eben dieser Strecke vor 2 Jahren kann niemand glauben, daß das funktioniert. Vermutlich wird die Strecke zuvor begradigt und damit noch weiterer Wald vernichtet. Hinzu kommen dann kurzzeitige Sperrungen für den Normalbürger.

Die ökologische Baubegleitung wird von einem Angestellten des berüchtigten Gutachters Beck durchgeführt. Dementsprechend ist der Landschaftspflegerische Begleitplan sein Papier nicht wert. Man wird sich nicht daran halten und die Standards nach eigenem Gutdünken absenken und Herr Beck ist da immer sehr einfallsreich zu erklären, warum das unter fachlichen Gesichtspunkten so sein muß.

Es wurden nun unumkehrbare Tatsachen geschaffen. Die Eingriffe in den Wald sind unübersehbar und ich erinnere mich noch an die Aussage eines Dorf-Bürgermeisters "der Charakter des Waldes wird sich nicht ändern".

Bilder: http://www.schutzgemeinschaft-harthaeuser-wald.de/j/index.php/bilder/2015-01-11

 

Fledermausaktivitäten 2016 Übersicht

Dass bei „Fledermauswetter“ Fledermäuse unterwegs sind, verwundert nicht. Aber wie verhält es sich bei Schlechtwetter und beim Betrieb der Windkraftanlagen (die lt. Abschaltalgorithmus nur bei geringen Fledermausaktivitäten – d.h. Temp. >10 °C oder Windgeschw. < 6 m/s - laufen sollen), wenn also kaum Fledermäuse aktiv sein sollten? Dieser Frage gingen wir nach und nahmen Aktivitäten bei verschiedenen Bedingungen mittels „Batscanner“ und Olympus - MP3 Player auf. Allerdings zeigte sich, dass es zwar wenig Regen und wenig Wind gab, aber eine oder mehrere, gerne auch alle Anlagen fast jede Nacht in Betrieb waren. Damit änderte sich die Aufgabenstellung rasch in: Wie hoch sind die Fledermausaktivitäten trotz des Betriebs? Einige der Aufnahmen haben wir veröffentlicht, die Übersicht findet sich hier. Solange die Fledermäuse noch nicht im Winterschlaf befindlich sind, werden wir ständig weitere aktuelle Aufnahmen hinzufügen. Unter folgendem Link kann man sich die Aufnahmen anhören:

 

 

Datum

SU

Temp

Wetter

Uhrzeit

Anlagen in Betrieb

U/min

Fldm.aktivität

Aufnahmeort

08.07

21.27

 

warm, windstill

23.24

alle „stehen“, außer F1

10

+++

 F1 Turmfuss

10.07.

21.26

 

warm, windstill

22.16

alle „stehen“, außer J1

7

+++

 J1 Turmfuss

11.7.

21.25

 

bedeckt, leicht windig

22.04

alle Anlagen in Betrieb

10

+++

 Waldrand Ziegelsteige

13.07.

21.24

17 °C

leichter Regen (4L)

1.36

 

 

++

 Ziegelsteige

13.07.

21.24

15 °C

Regen (10 L)

22.57

Anlagen in Betrieb

 

++

 Ziegelsteige

20.07.

21.17

24 °C

trocken, warm, windstill

22.24

Anlagen „stehen“

 

++

 Bopp See

21.07.

21.16

21°C

trocken, warm, windstill

21.56

Anlagen „stehen“

 

+

 Habitatbaum J3

21.07.

21.16

21°C

trocken, warn, windstill

22.24

Anlagen „stehen“

 

+

Waldrand Gassengrundweg (Olnhausen)

28.07.

21.06

20°C

leichter Nieselregen, scheinbar windstill

23.00

Alle Anlagen in Betrieb

ca. 11 U/min

++

Aufnahme wegen Störgeräuschen nicht verwertbar (Grillen)

29.07.

21.05

20°C

leichter Wind

21.46

13 Anlagen in Betrieb

10 U/min

+++

 WI1 Nähe Turmfuss

29.07.

21.05

20°C

leichter Wind

22.33

13 Anlagen in Betrieb

10 U/min

+++

Ziegelsteige Kreuzung Gingkobaum

02.08.

21.02

17°C

leichter Wind, tagsüber Regen

21.58

Alle Anlagen in Betrieb

14 U/min

+++

 WI1

02.08.

21.02

17 °C

leichter Wind,

tagsüber Regen

22.31

Alle Anlagen in Betrieb

14 U/min

+++

 Ziegelsteige Nähe Gingko

03.08.

21.01

21°C

Trocken, mild

22.19

Mehrere Anlagen nacheinander minutenlang in Betrieb

Ca. 7 U/min

++

 WI1 Nähe Turmfuss

08.08.

20.49

22°C

leichter Wind, mild

21.47

Fast alle Anlagen in Betrieb

12 U/min

+++

 Bopp See

08.08.

20.49

22°C

leichter Wind, mild

22.10

Fast alle Anlagen in Betrieb

12 U/min

+++

 M2 

14.08.

20.39

18°C

leichter Wind, mild

22.40

Alle Anlagen in Betrieb

11 U/min

++

 WI1

15.08.

20.38

23°C

mild, mondhell

21.17

alle Anlagen ab SU in Betrieb

Zw 10 und 12 U/min

+++

 Seehaus

16.08.

20.37

20°C

windstill, mild, mondhell

21.46

 alle Anlagen ab SU in Betrieb

Zw. 10 u. 11 U/min

+++

 WI1

17.08.

20.36

18°C

leichter Wind, mondhell, mild

21.24

fast alle Anlagen in Betrieb

ca. 11 U/min

+++

 Gingko

21.08.

20.26

18°C

leichter Wind, mild

20.54

fast alle Anlagen in Betrieb

ca. 11 U/min

++

 Seehaus

21.08.

20.26

18 °C

leichter Wind, mild

21.05

fast alle Anlagen in Betrieb

ca. 11 U/min

+++

 Bopp See

21.08.

20.26

16 °C

leichter Wind, mild

21.22

fast alle Anlagen in Betrieb

ca. 11 U/min

++

 WI1

23.08.

20.22

18 °C

sternenklar, mild

22.14

WI4, J1 in Betrieb

ca. 10 U/min

+++

Seehaus 

23.08.

20.22

18°C

sternenklar, mild

22.27

WI4, J1 in Betrieb

ca.10

U /min

+++

 Bopp See

28.08.

20.16

24°C

leichter Wind, leicht bewölkt, mild

20.56

fast alle Anlagen in Betrieb

Ca. 12 U/min

+++

 Bopp See

31.08.

20.06

(SA: 6.37)

12°C

Windstill, trocken

06.03

WI4 und WI3 in Betrieb

Ca. 10 U/min

++

 Seehaus und Quartier

4.9.

19.58

17°C

regnerisch, windig 

22.49

Anlagen in Betrieb

 

+++

Gehöft Ziegelhütte; Aufnahme in Regenpause

5.9.

SA: 6.44

14°C

bedeckt, leichter Wind

6.23

mehrere Anlagen im Wechsel in Betrieb

ca. 10 U/min

++

M2 Turmfuss

6.9.

19.53

17 °C

windig, mild

21.19

Anlagen in Betrieb

11 U/min

+

WI1

6.9.

19.53

17 °C

windig, mild

21.49

Anlagen in Betrieb

11 U/min

+++

Bopp See

8.9.

19.49

17°C

trocken, mild

20.34

Anlagen "stehen"

 

+++

Waldrand F1

9.9.

19.47

16°C

mondhell, trocken, mild, tw. leichter Wind

21.40

mehrere Anlagen in Betrieb

11 U/min

fast null

WI-1

9.9.

19.47

16°C

mondhell, trocken, mild, tw. leichter Wind

21.53

mehrere Anlagen in Betrieb

11 U/min

++

Seehaus

10.9.

SA: 6.51

12°C

trocken, mild

5.51

Anlagen "stehen"

 

++

WI -4

10.9.

SA: 6.51

12°C

trocken, mild

6.15

Anlagen "stehen"

 

null

WI-1

10.9.

19.45

20°C

mondhell,trocken, warm

20.32

Anlagen "stehen"

 

fast null

WI-1

10.9.

19.45

20°C

mondhell,trocken,warm

20.51

Anlagen "stehen"

 

++

Waldrand Logistikfläche

10.9.

19.45

20°C

mondhell,trocken,warm

21.11

Anlagen "stehen"

 

++

Burkhardtsruhe

17.09.

19.25

16°C

Regen (40 L)

20.17

   

++

Gehöft Ziegelhütte

21.09.

SA: 7.10

8°C

trocken, kühl

06.08

Anlagen "stehen"  

++

Seehaus

21.09.

19.17

10°C

trocken, kühl

22.55

Anlagen "stehen"  

++

Seehaus

21.09.

19.17

10°C

trocken, kühl

23.11

Anlagen "stehen"  

+++

Burkhardtsruhe

24.09.

19.10

12°C

trocken, sternenklar, leicht windig

22.41

mehrere Anlagen in Betrieb 12 U/min

++

Seehaus

24.09.

19.10

12°C

trocken, sternenklar, leicht windig

23.02

mehrere Anlagen in Betrieb 12 U/min

+++

Burkardtsruhe

28.09.

19.02

16°C

trocken, sternenklar, leicht windig

19.47

fast alle Anlagen in Betrieb 12 U/min

+++

Burkhardtsruhe

28.09.

19.02

16°C

trocken, sternenklar, leicht windig

19.54

fast alle Anlagen in Betrieb 12 U/min

+++

Seehaus
28.09. 19.02

16°C

trocken, sternenklar, leicht windig

21.03

fast alle Anlagen in Betrieb 12 U/min

+++

H4
28.09. 19.02

16°C

trocken, sternenklar, leicht windig

21.16

fast alle Anlagen in Betrieb 12 U/min

++

H1
1.10. 18.58

15°C

leichter Wind, Nieselregen

20.26

alle Anlagen in Betrieb 14 U/min

++

WI-1
1.10. 18.58

15°C

leichter Wind, Nieselregen

20.47

alle Anlagen in Betrieb 14 U/min

++

Waldrand Ziegelsteige
1.10. 18.58

15°C

leichter Wind, Nieselregen

20.50

alle Anlagen in Betrieb 14 U/min

+++

Burkhardtsruhe
2.10. SA: 7.25

12°C

windstill, wolkenfrei

6.21

alle Anlagen in Betrieb 12 U/min

+++

Burkhardtsruhe
2.10. SA: 7.25

12°C

windstill, wolkenfrei

6.27

alle Anlagen in Betrieb 12 U/min

++

Seehaus
2.10. 18.56

13°C

sehr windig

19.50

alle Anlagen in Betrieb >13 U/min

++

Bopp See
2.10. 18.56

13°C

sehr windig

19.59

alle Anlagen in Betrieb >13 U/min

++

Seehaus
11.10. 18.39

7 °C

bewölkt, windstill

20.40

alle Anlagen in Betrieb 7 U/min

+

Seehaus
11.10. 18.39

7 °C

bewölkt, windstill

20.53

alle Anlagen in Betrieb 7 U/min

+

Burkhardtsruhe
12.10. SA:7.39

5°C

trocken, windstill

6.10

alle Anlagen in Betrieb ca. 7 U/min

+

Burkhardtsruhe
12.10. 18.37

7°C

leichter Wind, mondhell, trocken

20.02

alle Anlagen in Betrieb 11 U/min

+

Seehaus
12.10. 18.37

7°C

leichter Wind, mondhell, trocken

20.26

alle Anlagen in Betrieb 11 U/min

++

Burkhardtsruhe
13.10 18.35

9°C

tw. windig, mondhell

19.35

alle Anlagen in Betrieb 12 U/min

++

H4
13.10. 18.35

9°C

tw. windig, mondhell

20.45

alle Anlagen in Betrieb 12 U/min

++

Burkhardtsruhe
18.10. 18.25

13°C

bewökt, leicht windig

21.12

alle Anlagen in Betrieb 11 U/min

+++

Burkhardtsruhe
18.10. 18.25

11°C

Regen

22.24

alle Anlagen in Betrieb 11 U/min

++

Burkhardtsruhe
23.10. 18.16

9°C

bewölkt

19.48

Anlagen "stehen"  

+++

Burkhardtsruhe
23.10. 18.16

9°C

bewölkt

19.56

Anlagen "stehen"  

++

Seehaus
23.10. 18.16 9°C bewölkt 20.15 Anlagen "stehen"   ++

M2

29.10. 18.05 8°C sternenklar, trocken 19.56 Anlagen "stehen"   ++

WI4

29.10. 20.20 8°C sternenklar, trocken, leichter Wind 20.20 Anlagen "stehen"   ++ Seehaus
31.10. 17.02 7°C sternenklar, trocken 20.18 Anlagen in Betrieb ca. 10 U/min + WI4
31.10. 17.02 7°C sternenklar, trocken 20.39

Anlagen tw. in Betrieb

  + WI1, Turmfuss
31.10. 17.02 6°C sternenklar, trocken 20.52

Anlagen "stehen"

  ++ M2, Turmfuss
31.10. 17.02 5°C sternenklar, trocken 21.06

Anlagen "stehen!

  ++ WI4, Turmfuss
17.11.   11°C trocken 22.43 SZ

allle Anlagen in Betrieb

13 U/min ++ Waldrand Ziegelsteige
17.11   11°C trocken 23.04 SZ

alle Anlagen in Betrieb

13 U/min ++ WI4
20.11 16.34 8°C leichter Wind (6km/h), trocken 23.38 SZ

alle Anlagen in Betrieb

10 U/min ++ Seehaus
22.11. 16.32 8 U/min leichter Wind (4km/h), trocken 18.54 SZ

alle Anlagen in Betrieb

8 U/min +++ Seehaus

 

 

 

Trotz der noch laufenden Einspruchsfristen für die Genehmigungen der Windenergieanlagen auf Gemarkung Hardthausen, Jagsthausen und Forchtenberg (Sindringen) wurden diese Woche bereits erste Fällungsarbeiten an mehreren Standorten durchgeführt. Grundlage dafür ist die Genehmigung des sogenannten Sofortvollzugs, den der Antragsteller bereits am 12.12.2014 beim Landratsamt Heilbronn eingereicht hatte und dessen Genehmigung am 7.1.2015 in der Heilbronner Stimme veröffentlicht wurde. Nur 1 oder 2 Tage später wurden die Fälllungsarbeiten begonnen. Der Sofortvollzug besagt, dass Widersprüche gegen die Genehmigungen keine aufschiebende Wirkung haben und sofort mit den Bauarbeiten begonnen werden kann.

Kurvenradien anpassen

weitere Bilder gibt es in der Bildergalerie: http://www.schutzgemeinschaft-harthaeuser-wald.de/j/index.php/bilder/2015-01-09

Es handelt sich hier um das Freiräumen von Zufahrtswegen. Die Flügellänge von ca. 50m bedingt eben entsprechende Kurvenradien, die baumlos sein müssen. In der Bilanzierung der Waldumwandlungsflächen tauchen diese nicht auf, da sie ja "wiederaufgeforstet" werden können. Wir werden sehen, ob das geschieht! Wie groß werden die Bäume sein, wenn nach durchschnittlich 15 Jahren ein Flügel kaputt geht?

Es werden nun offenbar unumkehrbare Tatsachen geschaffen obwohl die Genehmigungsunterlagen genügend Beispiele für Willkür der Behörden enthalten. Gerade auf dem Sindringer Feld nahe des Trautenhofs wurden zahlreiche Rotmilane über das gesamte Frühjahr bis zum Herbst beobachtet, die die Anlagenstandorte Forchtenberg-WEA1, Jagsthausen-WEA2 und Jagsthausen-WEA3 regelmäßig überflogen. Ein Horst befindet sich am südlichen Hang zum Kocher, so dass die Felder rund um den Harthäuser Wald regelmäßig zur Nahrungssuche aufgesucht werden. Das Argument der Behörde ist nun, dass - gestützt von Flugroutenkartierungen, die ausschließlich über den Zeitraum der Nahrungssuche vorgenommen wurden - die Flughöhe der Rotmilane keine Gefährdung durch die Anlagen erkennen lasse. Die von zahlreichen Bürgern eingereichten Fotos und Videos lassen nach Angaben des Landratsamts keine Auswertung der Flughöhen zu. Dass Rotmilane jedoch, wie auch andere Greifvögel - unter Ausnutzung der Thermik durchaus Flughöhen bis 1000m erreichen und sich z.B. zum Zeitpunkt der Balzflüge aus ca. 300m fallen lassen konnte ja auf Grund der begrenzten Beobachtungszeiträume für die Kartierungen überhaupt nicht beobachtet werden. Hier wird also der Naturschutz systematisch ausgehebelt.

Dass seit nunmehr 2 Jahren die neuen Abstandsempfehlungen der Vogelschutzwarten (1500m zu Rotmilan-Horsten) unter Verschluss gehalten werden und nun auch noch mit den Windenergie-Lobbyisten diskutiert werden sollen ist nur ein Baustein in der langen Liste der systematischen Behinderung des Naturschutzes. Nähere Informationen z.B. hier: http://www.wattenrat.de/tag/lander-arbeitsgemeinschaft-der-vogelschutzwarten/

 

Fledermausaktivitäten


Der Harthäuser Wald ist ein artenreiches, sensibles Ökosystem. Hier leben sicher nachgewiesen 16 der 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten, 2 weitere werden vermutet. Es ist bekannt, dass Fledermäuse an Windkraftanlagen ums Leben kommen können. Sie sind nicht in der Lage, die Rotorbewegung von schräg oben mit ihrem Echoortungssystem wahrzunehmen. Aufgrund ihres neugierigen Wesens untersuchen sie die Gondeln nach Quartiermöglichkeiten, insbesondere im Frühjahr auf der Suche nach Wochenstubenquartieren und im Spätsommer auf der Suche nach geeigneten Paarungsquartieren. Sie halten die Anlagen für große, abgestorbene Bäume.
Einige Fledermausarten ziehen ähnlich den Zugvögeln mehrere hundert Kilometer weit. Dabei fliegen sie hoch über den Bäumen und kollidieren hier mit den für sie unerwarteten Windrädern.
Deshalb orientierte man sich bei der Genehmigung der Windkraftanlagen im Harthäuser Wald an einem festgelegten Algorithmus, nach dem die Anlagen von April bis August 1 Stunde vor Sonnentergang bis zum Sonnenaufgang abschalten müssen, im September und Oktober bereits 3 Stunden vor Sonnenuntergang. Man glaubt, dass Fledermäuse bei Temperaturen unter 10 °C und Windgeschwindigkeiten über 6 m/s nicht aktiv seien, und deshalb ist der Betrieb unter diesen Bedingungen gestattet.
Allerdings fiel sehr früh auf, dass sich die Fledermausaktivitäten hier nicht mit den Voraussagen decken. Bereits während wir die Amphibien am Seehaus einsammelten, flogen Fledermäuse bei Temperaturen unter 10 °C. Und auch während des Betriebs der Anlagen (wenn man lt. Algorithmus eigentlich keine Fledermäuse erwarten dürfte), waren Fledermäuse zu sehen – zumindest bis zum Einbruch der Dunkelheit.
Damit war aber unser Interesse geweckt: bei welchen Bedingungen sind die Fledermausaktivitäten eher hoch, und wann eher niedrig?
Um eine aussagekräftige Erhebung machen zu können, müsste man verschiedene Parameter (mindestens Temperatur und Windgeschwindigkeit) in unterschiedlichen Höhen und die jeweiligen Fledermausaktivitäten messen und in Beziehung setzen.
Da uns dazu die Möglichkeit fehlt und wir auch keinen Einblick in die an den Gondeln erhobenen Parameter erhalten, können hier nur Beobachtungen und Eindrücke wiedergegeben werden.
Man weiß inzwischen, dass Fledermäuse weit höher fliegen als bisher angenommen, weshalb davon ausgegangen werden kann, dass hohe Fledermausaktivitäten „am Boden“ ein hohes Kollisionsrisiko bedeuten könnten, da dann auch eine größere Anzahl an Tieren in Rotornähe angenommen werden kann.
Zudem fiel in den vergangenen 3 Monaten seit 1. April auf, dass fast keine Nacht verging, an der nicht eine oder mehrere (häufig sogar alle) Anlagen in Betrieb waren. Das lässt nur zwei Schlüsse zu: entweder kommt es hier tatsächlich häufig zu Windgeschwindigkeiten über 6 m/s (obwohl man das in diesem windschwachen
Gebiet nicht erwarten dürfte). Das ließe befürchten, dass sich die Fledermäuse adaptiert haben und auch bei diesen Windaufkommen aktiv sind. Beim Fledermausseminar im Juli sagte einer der Teilnehmer, (ein Biologe, der Gutachten erstellt), wörtlich zu mir: „die Fledermäuse im Norden sind härter im Nehmen als eure – die fliegen auch bei 12 m/s“!
Oder es kommt doch immer wieder zu fehlerhaftem Betrieb der Anlagen. Beides wäre verheerend. Bereits jetzt ist anzunehmen, dass die Verluste sehr hoch, vielleicht sogar erheblich, sind.
Obwohl die zunächst unbemerkt gebliebenen „Einstellungsschwierigkeiten“ Anfang April, sowie der unkontrollierte Betrieb über 2 Wochen infolge des Blitzschlags Anfang Juni behoben sein sollen, werden trotz der Versuche, uns mittels Verbotsschildern und Überwachungskameras an der Suche zu hindern, immer wieder weitere Schlagopfer gefunden. Die ZEAG selbst leistet sich zwei Mal täglich die Absuche der Schotterfläche – ein teures Unterfangen, dafür, dass angeblich alles bestens ist und gar keine Schlagopfer anfallen!

        

       

 

  
Am 16. Februar 2012 trafen sich in Frankfurt 50 Fledermausexperten und Fachgutachter um sich mit dem Thema Auswirkungen der Windkraft auf Fledermäuse auseinanderzusetzen und um „ein weiteres Vorgehen zum Schutz dieser von Windkraft massiv betroffenen Tiergruppe zu besprechen und sich entsprechend zu positionieren“. Sie fordern eine komplette Nachtabschaltung im ersten Betriebsjahr der Anlagen zw. April und Oktober, um für jede Anlage einen spezifischen, die tatsächlichen Fledermausaktivitäten abbildenden Algorithmus zu erstellen. Der im Harthäuser Wald angewendete Algorithmus wurde an kleineren im Offenland betriebenen Anlagen erstellt und ist nicht ohne weiteres auf ein Mischwaldgebiet übertragbar. Eine eigene Erhebung nach der Expertenforderung wäre unabdingbar gewesen.
Am 22.08.2016 veröffentlichte Spiegel online den Artikel: „Fledermaussterben – Tod im Windrad“. Hier heißt es unter anderem:
"Getötete Fledermäuse fehlen in einer Population schmerzlich, denn die Tiere vermehren sich nur sehr langsam", betont Voigt. Außerdem seien sie nützlich. Neben Mücken vertilgen sie auch massenweise Käfer und Raupen an Nutzpflanzen. "Sie vollbringen damit eine enorme Ökosystemdienstleistung, die Landwirte sehr schätzen sollten."
„In Deutschland kommen laut Bundesverband für Fledermauskunde etwa 25 von weltweit knapp 1400 bekannten Fledermausarten vor, die hierzulande alle streng geschützt sind. Der Bestand von 18 von ihnen ist nach Angaben von Experten gefährdet.“
Einen weiteren Ausbau von Windkraft im Harthäuser Wald halten wir für unverantwortlich und würden uns wünschen, dass nicht nur Landwirte, sondern besonders die Genehmigungsbehörden und die Politik die Notwendigkeit des Erhalts von Fledermäusen erkennen würden. Dabei dürfte das gar keine Frage sein: für alle Fledermausarten gilt das Verschlechterungsverbot, dem sich Deutschland durch Teilhabe am Euro Bats Abkommen verpflichtet hat.
Von den Fledermausaktivitäten haben wir Aufnahmen erstellt und veröffentlichen einige davon auf einer gesonderten Seite der Homepage. Dazu wurde ein Detektor der Marke „Batscanner“ verwendet, der alle eingehenden Ultraschallfrequenzen automatisch erkennt. Diese wurden per MP3 Player Marke „Olympus“ mitgeschnitten. Dabei ergeben sich bei hohen Aktivitäten einmalige, geradezu orchestrale Klangbilder. Und sie verdeutlichen, was mit „hoher Aktivität“ eigentlich gemeint ist - denn da wir Fledermäuse nachts weder sehen noch hören können, haben die meisten von uns gar keine Vorstellung davon.

Die Aufnahmen kann man sich unter  http://www.schutzgemeinschaft-harthaeuser-wald.de/j/index.php/downloads/category/2-fledermaus-aufnahmen anhören.