Amphibienjahr 2017

Amphibienjahr 2017

Da die Amphibienwanderung 2017 erneut in eine Bauphase weiterer Windenergieanlagen im Harthäuser Wald fällt, ist in erster Linie die ökologische Baubegleitung für die Amphibienschutzmaßnahmen zuständig.
Am Aufbau des „Krötenzauns“ wollten wir gerne behilflich sein. Die nächtliche Begleitung an der Landstraße wird weiterhin durch die SHW gewährleistet.
Zunächst waren wir etwas in Sorge, weil der Herbert – Bopp – See, das angesteuerte Laichgewässer, bis 19.2. noch gefroren war, aber dies erwies sich als unbegründet: gerade rechtzeitig zum Eintreffen der ersten Tiere war der See eisfrei.
Am Samstag, den 25.2. sollte der Zaun an der L 1047 durch den Verein und die ökologische Baubegleitung gestellt werden. Aufgrund milder Temperaturen, Regen und erwartetem Wanderbeginn der Amphibien begannen wir (einzelne Mitglieder und die ökolog. Baubegleitung + Praktikantin) jedoch schon ab Montag mit dem Aufbau des Zauns entlang der L 1047.

In dieser Woche setzten auch die ersten Wanderbewegungen ein; das Vorziehen des Zaunaufbaus entlang der L 1047 war eine gute Entscheidung gewesen. Den Zaunverlauf und – aufbau veränderten wir gegenüber dem Vorjahr leicht: der Zaun wurde nicht oben am Grabenrand, sondern tiefer gesetzt. Das schützte ihn einerseits gegen Wind, der uns 2016 zunächst sehr zu schaffen gemacht hatte, und ermöglichte es, den Zaun näher an die Eimer zu setzen und damit zu verhindern, dass die Tiere zwischen Zaun und Eimern durchwandern.
Allerdings war der Graben auch in diesem Jahr nach Regenfällen rasch mit Wasser gefüllt, und einige Eimer somit ebenso. Bei den nächtlichen Begehungen und frühmorgens konnten alle betroffenen Tiere geborgen und sicher an den See gebracht werden.

 

 

Dem sehr stürmischen Tief „Thomas“ hielt unser Zaun sehr gut stand. Es waren kaum Ausbesserungsarbeiten notwendig.

Abgesehen von der Security und „unverzichtbaren Fahrten“ (Störfälle an den Anlagen, Notfälle) gilt das nächtliche Fahrverbot im betroffenen Gebiet im Wald für alle Fahrzeuge und wird beispielsweise durch eine Absperrung gewährleistet. Der Schwerlastverkehr muss an der Kreisstraße halten und darf die Zulieferung erst nach der Morgendämmerung vornehmen.

Der Amphibienzaun im Waldgebiet wird ggf. kurzfristig noch ergänzt.

Da der Amphibienzaun situationsbedingt nicht komplett abschließen kann (Zufahrten zu Äckern an der L 1047 und Ziegelsteige bzw. Trautenplanie), sind nächtliche Sammelaktionen weiterhin sinnvoll um vermeidbare Opfer durch den Straßenverkehr zu verhindern.
Zwar wurden abgesehen von der Geschwindigkeitsbegrenzung auch Blinklichter installiert, aber das schützt nicht ausreichend.

Zudem sind die nächtlichen Rundgänge hochinteressant, weil sie einem viel über das Verhalten der Amphibien verraten. Nachts beispielsweise sind die kleinen Männchen, wenn sie nicht gerade hoch aufgerichtet am Wegrand oder auf der Straße auf die Weibchen warten, sehr aktiv: sie quaken lautstark und versuchen mit allen Mitteln, (dem Eimer) zu entkommen. Sie turnen über den Zaun und bringen sich somit in höchste Gefahr, weil dahinter die Landstraße verläuft. Die wehrlosen Tiere sind Feinden völlig ausgeliefert. Dass sich in diesem Jahr die Graureiher schon früh eingefunden haben, beruhigt nicht. Wenn Zeit ist, warte ich, bis die Erdkröten sich im Laub versteckt haben, bevor die Reiher sie entdecken. Deshalb ist es gut, wenn die meisten Tiere nachts an ihr Laichgewässer gelangen können und nicht erst morgens aus den Eimern befreit an den See gebracht werden.

 

Interessant war auch, dass der starke Wind den Kröten sehr zusetzte. Ihre Haut trocknete stark aus, was einige sichtlich zu schwächen schien. Dennoch harrten die Männchen tapfer aus um eines der begehrten Weibchen zu erwischen.

Die Erdkröten laufen nicht nur entlang der Wege oder durchs Laub, sie ziehen auch über Äcker, bis sie einen strategisch günstigen Platz gefunden haben, wo sie vorbeiziehende Weibchen erwarten können. Die Männchen beginnen die Reise oftmals vor den Weibchen, die erst später starten. Nach dem Ablaichen sind es dagegen oft die Weibchen, die zuerst wieder in den Wald aufbrechen.

Interessant sind auch die "Nebenbeobachtungen": so kann man feststellen, dass Regenwürmer lichtscheu sind. Vom Licht der Taschenlampe getroffen, verziehen sie sich blitzschnell zurück in die Erde.

Helfer sind natürlich herzlich willkommen, jedoch wissen viele nicht, wann eigentlich Hilfe gebraucht wird. Als "wechselwarme" Tiere können die Amphibien - im Gegensatz zu "gleichwarmen" Tieren ihre Körpertemperatur nicht selbständig steueren. Um aktiv sein zu können, benötigen sie eine gewisse Aussenwärme. Das bedeutet, dass die Erdkröten erst ab ca. 5 °C wandern. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber das sind einzelne Tiere. Richtig aktiv sind sie bei milden Temperaturen, am besten mit Regen. Mit abendlichem Dämmerungsbeginn beginnt die Reise, die über die Äcker und durch den Wald einige Zeit beansprucht, bis die Tiere an der Strasse angelangt sind. Dort werden sie - hoffentlich - durch den Zaun gestoppt. Dramatisch wird es mit der Rückreise, wenn die Tiere abgelaicht haben und in den Wald zurückkehren. Im vergangenen Jahr waren Hunderte gleichzeitig auf der Landstrasse. Aus dieser Richtung wurden sie nicht durch einen Zaun am Betreten der Fahrbahn gehindert und kamen in großer Zahl ums Leben. Diese Bewegung ist ungewöhnlich; üblicherweise erstreckt sich die Rückwanderung über einen längeren Zeitraum und die Tiere laufen einzeln und nicht in großen Gruppen los. Warum sie sich im letzten Jahr anders verhielten und am Laichtag in großen Gruppen aufbrachen, ist unbekannt. Jedenfalls wird für den Fall, dass sich dieses Spektakel in dieser Saison wiederholt, in dem Zeitraum jede Hand gebraucht, da sich die Strecke auf ca. 700 m erstreckt und nur mehrere Posten entlang des Weges Schlimmstes verhindern können. Wer uns in der regulären Wanderungsphase begleiten möchte, darf dies gerne, aber bitte nur mit uns zusammen, da jedes einzelne Tier dokumentiert werden muss (Anzahl und Geschlecht). Notwendig sind eine Warnweste, Taschenlampe, Gummistiefel und ein Eimer..

Wie im letzten Jahr werden wir wieder zeitnah die Anzahl der gesamelten Tiere veröffentlichen. Wenn die Zahlen noch nicht bekannt sind, wird dies mit einem ? gekennzeichnet und ergänzt, sobald sie vorliegen.
Fotos diesjähriger Findlinge werden in der Galerie gezeigt und immer wieder um neue Bilder erweitert.

 

April 2017:


Die Amphibienwanderung ist zu Ende gegangen, es war ein ausgesprochen spannendes Ereignis. Die Rückwanderung der Amphibien ist zwar als ein länger andauerender Prozess bekannt, an dem sich immer wieder einzelne Tiere auf den Heimweg machen. Im letzten Jahr jedoch begaben sich Hunderte Erdkröten gleichzeitig und unerwartet an einigen wenigen Nächten auf den Rückweg. Es kamen dabei unzählige im Straßenverkehr ums Leben.


Sowohl die ökologische Baubegleitung, als auch das LRA HN erklärten sich einverstanden, in diesem Jahr auch die Rückreise der Amphibien mittels Zaun abzusichern. Mit dem ersten Laich stellten wir also einen zweiten Zaun entlang der L 1047 auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Dafür wurde der geplante Zaun entlang der Zuwegung zu den neuen Anlagen zunächst nicht gestellt, weil mit nächtlichen Transporten noch nicht zu rechnen war. Ggf. wäre der Zaun zeitnah noch errichtet worden.

 

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Zeitweise kam es zu Überschneidungen zwischen den noch hinwandernden und bereits zurück wandernden Tieren, was uns vor logistische Herausforderungen stellte, da bei den rückwandernden Tieren auch die Richtung, in die sie wandern wollten, berücksichtigt werden musste; wir wollte sie schließlich nicht deportieren. Wir benötigten mehrere Eimer gleichzeitig um den Tieren gerecht zu werden.

Weil am Tag des Aufbaus des Rückreisezauns der Acker, über den die Tiere laufen mussten, großflächig mit Herbiziden behandelt wurde, brachten wir die Tiere nicht nur über die Straße, sondern in den Wald. Amphibien nehmen Stoffe über ihre sehr empfindliche Haut auf; sie hätten sich vergiftet.

Sehr unglücklich war auch der Zeitpunkt einer Feuerwehrlöschübung gewählt: inmitten des Höhepunktes der Laichphase, als sowohl der See, die umgebende Wiese und die Zufahrt voller Erdkröten und Frösche saßen, sollte die Übung direkt am See mit drei Großfahrzeugen stattfinden. Das hätte verheerende Auswirkungen gehabt. Die Feuerwehr ließ sich aber überzeugen, ihre Übung am Seehaus selbst und nicht unten am See durchzuführen, wofür wir ihr an dieser Stelle Dank sagen möchten.

 

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Dankbar sind wir auch dafür, dass Fam. Valet auffiel, dass die Wiese um den See voller Amphibien saß, die sich tief ins Gras geduckt hatten, als diese Wiese gemulcht werden sollte – und das Mulchen deshalb verschoben wurde!

Durch die Betreuung der rückwandernden Tiere konnten wir beobachten, dass diese sich als überaus aktiv erwiesen. Sie turnten mühelos über den Zaun und entlang der Stöcke aus den Eimern, kletterten steile Hänge hinauf, rannten sogar die Bäume hinauf. Viele versuchten vergeblich, den Durchlass am Buchsbach zu erreichen, über den sie auf dem Hinweg zum See gekommen waren. Für die Rückreise liegt er jedoch zu hoch und war unerreichbar. Die Kröten erklommen den steilen Hang am Rande und gelangten so auf die Landesstraße, wo auch in diesem Jahr wieder viele starben. Von den rund 150 Todesopfern fielen 120 auf die letzte Woche mit den Rückwanderern.

 

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Wir brachten 2056 Erdkröten (und 5 Frösche) an den See und 1861 Tiere zurück in den Wald. Da unsere betreutes Gebiet nördlich des Bopp Sees etwa 1/5 des Zuwanderungsgebietes abdeckt, und die restlichen 4/5 näher am Wald liegen und dort mehr Erdkröten vermutet werden können, ist von über 10 000 Erdkröten auszugehen, die zum Laichen an den See kommen.


Wir hoffen sehr, dass das LRA HN die in Aussicht gestellte feste Anlage zeitnah (am besten schon für das kommende Jahr) umsetzen wird und die Amphibien diese annehmen und sicher an ihren See und wieder zurück gelangen können.

Mitgliedschaften in Naturschutzvereinen

Die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. ist ab 2017 Mitglied in folgenden Naturschutzverbänden:


Naturschutzinitiative e.V.

Die Naturschutzinitiative wurde von Harry Neumann, ehemaliger Landesvorstand des BUND in Rheinland-Pfalz, gegründet.

http://naturschutz-initiative.de/


Verein für Landschaftsfpflege und Artenschutz in Baden-Württemberg (VLABW) e.V.

Der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Baden-Württemberg (VLABW) ist ein Landesverband des Vereines für Landschaftspflge und Artenschutz in Bayern (VLAB).

http://www.vlabw.de/


Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden‐Württemberg e.V.

In der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Baden-Württemberg (AGF) haben sich auf Landesebene im Umwelt- und Naturschutz tätige Vereinigungen und Personen zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, die Fledermausbestände im Land zu stabilisieren und gezielt zu verbessern.

http://www.agf-bw.de/

Bewertung Fledermausaufnahmen 2016

 

Bewertung der Fledermausaufnahmen 2016:

Alle Fledermausarten sind in Deutschland und ganz Europa streng geschützt. Es gilt das Verschlechterungsverbot. Für einige der im Harthäuser Wald nachgewiesenen Arten haben wir „besondere Verantwortung“. Alle Fledermäuse sind als äußert effektive Insektenjäger für uns Menschen sehr wichtig; ohne sie wird sich der Einsatz an unsere Lebensmittel vergiftenden Pestizide erhöhen. Da die Tiere nur ein Junges pro Jahr großziehen, selten mal zwei und in manchen Jahres gar keines, sind ihre Populationen für Störungen und Verluste sehr anfällig. Seit rund 50 Millionen Jahren auf der Erde lebend, hab sich ihre Lebensweise als sehr evolutionsstabil erwiesen, der Mensch aber ist dabei, sie in starke Bedrängnis mit der Gefahr der Ausrottung zu bringen. Die Bechsteinfledermaus war als im Wald lebende Art früher sehr verbreitet; infolge der starken Zugriffe des Menschen auf den Wald ist ihr Lebensraum zwischenzeitlich so eingeschränkt worden, dass sie zu den Arten zählt, für die wir besondere Verantwortung tragen.

Als die 14 Windkraftanlagen im Harthäuser Wald genehmigt wurden, wurde ein sogenannter Abschaltalgorithmus verbindlich festgelegt. Dieser verbietet den Betrieb der Anlagen  von April bis Oktober wenn mit Fledermausaktivitäten zu rechnen ist. Das impliziert, dass bei regelrechtem Betrieb der Anlagen wenige Aktivitäten zu erwarten wären.

Der Algorithmus sieht vor, dass die Windenergieanlagen zwischen 1.4. und 31.8. eine Stunde vor Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang abschalten müssen, im September und Oktober bereits 3 Stunden vor Sonnentergang. Der Betrieb ist in diesen Zeiträumen nur rechtmäßig, wenn die Windgeschwindigkeit in Gondelhöhe >/= 6m/s beträgt, oder eine Temperatur in Gondelhöhe </= 10 °C gemessen wird. Das lässt erwarten, dass unter diesen Bedingungen Fledermäuse weniger oder nicht aktiv sind. Dies zu untersuchen war Ziel der Fledermausaufnahmen.

Es wurden an 65 Zeitpunkten zwischen 5.7. und 31.10. etwa 280 Aufnahmen der Fledermausaktivitäten an unterschiedlichen Orten im Harthäuser Wald erstellt. Davon wurden 71 Aufnahmen von 43 Zeitpunkten veröffentlicht. Bei einer ist der Betrieb der Windenenergieanlagen nicht dokumentiert, weshalb sie in der unteren Tabelle nicht berücksichtigt werden konnte.

Zunächst stellte sich heraus, dass die Windenergieanlagen im Jahr 2016 sehr häufig nachts in Betrieb waren.

Monat

Anzahl der Zeitpunkte, nach denen Aufnahmen veröffentlicht wurden

Anzahl  der Zeitpunkte, in denen die Anlagen betrieben wurden

Anzahl der Zeitpunkte, in denen die Anlagen „abgeschaltet“ waren

Anzahl der Zeitpunkte, in denen die Anlagen betrieben wurden in Prozent

Juli

 

8

6

2

75

August

 

11

11

0

100

September

 

12

6

6

50

Oktober

 

11

9

2

81,82

gesamt

42

32

10

76,19

Im Untersuchungszeitraum trat mitunter leichter Wind auf; Starkwindereignisse gab es nicht. Dennoch waren hohe Fledermausaktivitäten feststellbar. Da uns die Betriebsdaten, d.h. Windgeschwindigkeiten nicht bekannt sind, können wir nicht beurteilen, ob es sich bei dem leichten Wind um Stärken >/= 6m/s gehandelt hat. Sollte dies der Fall gewesen sein, muss der Algorithmus dringend nachgebessert werden, da das bedeutet, dass Fledermäuse auch bei höheren Windgeschwindigkeiten sehr aktiv sind.

Datum

Intensität

FM - Aktivität

Ort

11.7.

leicht windig

+++

Waldrand Ziegelsteige

29.7.

leichter Wind

+++

+++

WI1

Ziegelsteige Gingko

2.8.

leichter Wind

+++

+++

WI1

Ziegelsteige Nähe Gingko

8.8.

leichter Wind

+++

+++

Bopp See

M2

17.8.

leichter Wind

+++

Gingko

21.8.

leichter Wind

++

+++

++

Seehaus

Bopp See

WI1

28.8.

leichter Wind

+++

Bopp See

4.9.

windig

+++

Gehöft Ziegelhütte

6.9.

windig

+

+++

WI1

Bopp See

24.9.

leichter Wind

++

+++

Seehaus

Burkhardtsruhe

28.9.

leichter Wind

+++

+++

+++

++

Burkhardtsruhe

Seehaus

H4

H1

1.10.

leichter Wind

++

++

+++

WI1

Waldrand Ziegelsteige

Burkhardtsruhe

2.10.

sehr windig

++

++

Bopp See

Seehaus

13.10.

tw. windig

++

++

H4

Burkhardtsruhe

18.10.

leicht windig

+++

Burkhardtsruhe

29.10.

leichter Wind

++

Seehaus

 

Da die Temperaturen für den Algorithmus eine Rolle spielen und postuliert wird, unter bei 10 °C und niedrigeren Temperaturen seien Fledermäuse nicht aktiv, (weshalb sich bei diesen Temperaturen die Windenregieanlagen drehen dürfen), interessierten natürlich auch die Aktivitäten unter diesen Bedingungen. Im Oktober war es nachts häufig sehr kühl. Man konnte feststellen, dass Fledermäuse bis etwa 5 °C noch mittlere bis hohe Aktivitäten zeigen. Auch in Bezug auf die Temperatur muss der Algorithmus dem tatsächlichen Verhalten der Tiere angepasst werden.

 

Datum

Temperatur

 in °C

FM - Aktivität

Ort

21.09.

8 °C, morgens

++

Seehaus

21.09.

10 °C, abends

++

+++

Seehaus

Burkhardtsruhe

11.10.

7 °C

+

++

Seehaus

Burkhardtsruhe

12.10.

5 °C, morgens

+

Burkhardtsruhe

12.10.

7 °C, abends

++

++

Seehaus

Burkhardtsruhe

13.10.

9 °C

++

++

H4

Burkhardtsruhe

23.10.

9 °C

+++

++

++

Burkhardtsruhe

Seehaus

M2

29.10.

8 °C

++

++

WI4

Seehaus

31.10.

7 °C

+

+

WI4

WI1

31.10.

6 °C

++

M2

31.10.

5 °C

++

WI4

 

In diesem Jahr waren mehrere Entwicklungen sehr auffällig:

- die Anlagen M2 und WI1 am äußersten westlichen Ende wurden wegen geringer Störgeräusche durch Grillen im Sommer sehr häufig aufgesucht. Die Fledermausaktivitäten waren hier sehr hoch. Im weiteren Verlauf erloschen sie zunehmend. Nach dem letzten Totfund einer Mückenfledermaus Anfang September bei M2 waren gar keine Aktivitäten mehr nachweisbar. Die meisten Totfunde wurden an diesen beiden Anlagen gemacht. Es könnte vermutet werden, dass die Fledermäuse aus Möckmühl und den Habichtshöfen an diesem Ende in den Wald einfliegen und hier mit den Anlagen „in Berührung“ kamen.

- Im Oktober waren die höchsten Aktivitäten unweit der Grillstelle Burkhardtsruhe nachzuweisen. Dieser Platz ist umgeben von Offenland in der Nähe zum Waldrand. Zu allen Zeitpunkten davor fanden hier jedoch kaum Aktivitäten statt. Man könnte hier deshalb eine Flugroute annehmen.

- Durchgehend waren am Seehaus Fledermausaktivitäten nachzuweisen. Hier wurden Quartiere festgestellt, Wochenstuben sind zu vermuten. Selbst in den tw. milden Nächten im November sind die Aktivitäten hier bei milden Temperaturen unerwartet hoch.

- Die sehr hohen Aktivitäten Anfang Juli (bei allen Aufnahmen) wurden im weiteren Jahresverlauf zu keinem Zeitpunkt an keinem Ort mehr erreicht, lediglich näherungsweise zum Saisonende an der Burkhardtsruhe.

Die Ursachen für die nachlassenden Aktivitäten im Jahresverlauf im gesamten Harthäuser Wald mögen vielfältig sein, ebenso das Erlöschen jeglicher Aktivitäten am westlichen Ende des "Windparks". Wir hoffen sehr, dass nicht bereits nach dem ersten Betriebsjahr die Fledermauspopulationen erheblich geschädigt wurden. Die zahlreichen Funde von Schlagopfern lassen (in Verbindung mit den nachlassenden Aktivitäten) jedoch Schlimmstes befürchten.

Insgesamt ist zu wünschen, dass das LRA Vernunft walten lässt und keine weiteren Anlagen genehmigt werden; zumindest sollte auf WIII1 in unmittelbarer Nähe zum Seehaus verzichtet werden, sowie auf H6B, für dessen Errichtung Habitatbäume fallen müssten, und sich zudem zahlreiche Quartierbäume in gefährlicher Nähe befinden. Außerdem muss der bestehende Algorithmus angepasst werden und mit der Ausarbeitung ein Experte beauftragt werden, beispielsweise Dr. Robert Brinkmann.

Nachtrag Feb. 2017:

zwischenzeitlich liegt das Fachutachten von Dr. Robertt Brinkmann zum Betrieb der Anlagen von April bis Juni vor. Seine Empfehlungen sind u.a. eine Ausweitung der Abschaltzeiten und eine unabhängige Schlagopfersuche. Er erwähnt jedoch auch das von Büro Beck durchgeführte Fledermausmonitoring am Windmessmast 2014. Demnach kam es - wie erwartet - im September zu den höchsten Aktivitäten. Bei unseren Aufnahmen 2016 fand sich im September ein Tiefpunkt der Aktivitäten - was wir sehr beunruhigend finden. Wenn bereits nach dem ersten Betriebsjahr ein so deutlicher Rückgang an Aktivitäten verzeichnen lässt, lässt dies Schlimmes ahnen. Wir sind gespannt, wie sich die Situation 2017 darstellt....!

Das LRA HN sieht dennoch keine Veranlassung, die Empfehlungen umzusetzen.

Bilanz des ersten Betriebsjahres des Windparks Harthäuser Wald

Die ernüchternde Bilanz des ersten Betriebsjahres hat unser Vereinsmitglied Udo Thierl auf Facebook zusammengefasst.
>> Hier geht es zur Facebook-Seite.<<

Details zur Schlagopfersuche sind hier zusammengestellt: http://www.schutzgemeinschaft-harthaeuser-wald.de/j/index.php/54-fazit-der-schlagopfersuche-2016

 

Leitfaden zum Umgang mit in der Natur aufgefundenen Wildvögeln, Fledermäusen, usw. (z.B. Schlagopfer)

Was ist zu tun, wenn tote oder verletzte Tiere im Wald - insbesondere unter Windenergieanlagen - gefunden werden?

Prinzipiell gilt: Alle Funde sollten gemeldet werden, selbst wenn es sich um bereits teilweise verweste Tiere handelt.

Insbesondere potentielle Schlagopfer der Windenergieanlagen sind derzeit unbedingt zu melden. Dazu haben wir eine Email-Adresse eingerichtet: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Ein ganz allgemeiner Leitfaden zum Umfang mit in der Natur aufgefundenen Wildvögeln wird aktuell von uns mit der untereren Naturschutzbehörde abgestimmt und danach hier online gestellt.

Man unterscheidet in Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen und solche, die nicht dem Jagdrecht, aber dem Naturschutzrecht unterliegen. Viele Greifvögel und alle Fledermäuse fallen dabei nicht unter das Jagdrecht und sind demzufolge dem zuständigen Landratsamt (untere Naturschutzbehörde), ggf. auch Polizeidienststellen und Gemeindebehörden zu melden.

Für Totfunde gilt der Grundsatz, dass das Tier am Ort zu belassen ist. Um jedoch die Todesursache grundsätzlich zu untersuchen, ist es notwendig, dass das Tier vom CVUA Stuttgart (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart) untersucht wird. Dies ist für potentielle Schlagopfer notwendig.

Zusätzlich ist bei wahrscheinlichen Schlagopfern ein Meldebogen für die zentrale Fundkartei über Anflugopfer an Windenergieanlagen (WEA) auszufüllen (Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt des Landes Brandenburg, vgl. dazu http://www.lugv.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.312579.de). Der Meldebogen ist hier zu finden. Bitte Fotos der Tiere beifügen.

Vor Ort:

  • Fotos von der Fundsituation (Fledermaus + WEA)
  • detaillierte Fotos der Fledermaus, am besten Lineal oder anderes Zentimetermaß danebenlegen, Ohren und Schnauze sollten auch gut zu erkennen sein, um die Art eindeutig bestimmen zu können
  • Entfernung zum Turm und Himmelsrichtung notieren
  • Nummer der WEA notieren (steht auf der Tür)
  • Fledermaus vorsichtig in Plastikbeutel, z.B. Gefrierbeutel befördern

    Wenn Sie das Fundtier nicht mitnehmen wollen, so benötigen wir umgehend Nachricht, damit es sichergestellt werden kann (z.B. Email an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.)

Zu Hause:

  • Falls Versenden am gleichen Tag nicht mehr möglich, Fledermaus in Kühlschrank legen; jedoch nicht einfrieren (ein Barotrauma bei Fledermäusen wäre damit nicht eindeutig zu differenzieren)
  • Meldebogen (sh. oben) ausfüllen und per Email an die Adresse im Meldebogen verschicken.
    Kopie des Meldebogens bitte an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. sowie die untere Naturschutzbehörde beim zuständigen Landratsamt (Heilbronn bis auf Anlage F-1, hier ist es der Hohenlohekreis)
    Wir können prinzipiell auch die Weiterleitung an die notwendigen Stellen übernehmen. Bitte ggf. kurze Mitteilung.
  • Bitte Fotos anhängen
  • Bei einigermaßen frischen Tieren (die noch nicht deutlich verwest sind): Verschlossenen Plastikbeutel mit Fledermaus in kleinen Karton verpacken (am besten mit Luftbläschenfolie), Begleitschreiben mit Bitte um Untersuchung dazulegen, der Einfachheit halber auch Kopie vom Meldebogen, adressieren an: CVUA Stuttgart, Schaflandstr. 3/2, 70736 Fellbach. Möglichst sofort zur Post bringen. Wem es nicht zu teuer ist, Expressversand.
    Hier können wir die Kosten übernehmen. Wir bitten dann um zeitnahe Informationen, wo das Tier zu finden ist! (z.B. Whatsapp an: 0176-99084050)
  • Bei schon stärker verwesten Tieren bitte folgendermaßen vorgehen (gemäß Informationen von H. Dürr, LUGV Brandenburg):
    Da die Bestimmung der Arten doch Restzweifel aufkommen lässt wäre es hilfreich, wenn man die Fledermäuse, die nicht eingesandt werden, mitnimmt und in saugfähigem Papier eintrocknen lässt, damit sie später an Schädelmerkmalen, Unterarmlänge und einigen weiteren Merkmalen sicher nachbestimmt werden. Es wäre schade, wenn da die eine oder andere seltenere Art unentdeckt bliebe. Getrocknete Tiere kann man später in Zellstoff eingewickelt und mit Bleistift beschriftet in einem Glas o.ä. geruchsneutral lagern und versenden. Das kann "am Ende der Saison" erfolgen und vielleicht findet sich noch jemand vor Ort, der die Tiere nachbestimmen kann.
    Da diese Vorgehensweise nicht jedermanns Sache ist können wir das ggf. für Sie übernehmen. Wichtig ist, dass der Fund auf alle Fälle gemeldet wird.