Genehmigung von Windenergieanlagen im Harthäuser Wald

Pressemitteilung

anlässlich der Ankündigung auf der Seite der Heilbronner Stimme: http://www.stimme.de/regioticker/Acht-Windraeder-genehmigt;art16233,3263468 über die Genehmigung von 8 Windrädern im Harthäuser Wald.


 

Mit Bedauern und unter großem Protest nimmt die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. die Genehmigung von Windkraftanlagen im Harthäuser Wald zur Kenntnis.

Wir verurteilen aufs Schärfste die zügellose, flächendeckende Industrialisierung des Harthäuser Waldes. Selbst der bisher ruhige Ostteil des Harthäuser Waldes soll nun mit lärmenden Rotoren bestückt werden. Hier hatten sich auch die Umweltverbände klar dagegen ausgesprochen und eine Konzentration von Anlagen in Autobahnnähe favorisiert. Die vorgesehenen ökologischen Ausgleichsmaßnahmen werden nicht mal ansatzweise den massiven Beeinträchtigungen durch die Windkraftanlagen gerecht. Hier geht es nicht allein um die Flächeninanspruchnahme sondern um die großräumige Schaffung von Störzonen, deren Auswirkungen in der Umweltverträglichkeitsstudie kleingeredet wurden und deren Folgen für das Ökosystem völlig unkalkulierbar sind.

Ferner beklagen wir die systematische und irreführende Vorgehensweise bei der Flächennutzungsplanung: hier wurden mit fadenscheinigen Argumenten die Flächen im Harthäuser Wald schön geredet, Alternativen nicht verfolgt oder unterbewertet. Die Standorttauglichkeit im Sinne des Winderlasses Baden-Württemberg wurde bis heute nicht öffentlich nachgewiesen. Das Zielabweichungsverfahren bei der Regionalplanung wurde ohne jegliche Ausgleichsmaßnahme durchgezogen und damit die Ziele des regionalen Grünzugs, nämlich Freiräume für die naturschonende, nachhaltige Nutzung und für Erholung, konterkariert.

Die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. hat bereits letzte Woche den Petitionsausschuss des Baden-Württembergischen Landtags angerufen, da im Genehmigungsprozess schwere Mängel festgestellt wurden.

Mit großem Entsetzen erkennen wir zudem, dass im gesamten Genehmigungsprozess die Energiewende als ideologisch geprägtes Dogma einen größeren Stellenwert hat als die artenschutzrechtlichen Gründe, die klar gegen Windenergieanlagen in Wäldern sprechen. Wir hatten dem Landratsamt mehr als 1200 Unterschriften gegen den Windpark übergeben und stellen fest, dass dieser Windpark gegen den Willen einer großen Anzahl von Bürgern der umliegenden Gemeinden gebaut werden soll. Alle im Rahmen der Flächennutzungsplanung erhobenen Einwände der Bürger wurden bis heute von den Kommunen nicht bearbeitet.

Die Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. wird die mit den Baumaßnahmen einhergehenden Veränderungen der Naturräume wachsam verfolgen und dokumentieren, damit die künftigen Generationen diejenigen später zur Rechenschaft ziehen können, die ihre heimatliche Umwelt mutwillig zerstört haben.

  1. Bürgerbeteiligung: Die Bürgerbeteiligung war von Anfang an eine Farce. Harry Brunnet wusste schon bevor der erste Bauantrag gestellt wurde, dass das Projekt kommt. In den Erörterungsterminen sind die Bürger einer Phalanx von Landratsamt und Betreibern gegenüber gesessen, und hatten oft das Gefühl, sich vor diesen für ihre Anwesenheit rechtfertigen zu müssen. Die Fachbeamten des Landratsamts waren bei den Erörterungsterminen nicht anwesend, um dem Parteigutachter des Antragstellers kritische Fragen zu stellen oder die kritischen Fragen der Bürger anzuhören.Die Behauptung, man werde das Gutachten des Parteigutachters von den eigenen Fachbeamten selbständig prüfen lassen, ist offensichtlich unwahr, wenn sich selbst widersinnigste Behauptungen in der Bescheid-Begründung finden. Der Lärm der Windkraftanlagen soll demnach vom Blattrauschen überdeckt werden, weshalb das Erholungsbedürfnis nicht beeinträchtigt würde. Blattrauschen im Fichtenwald? Im Winter? Und warum ist dann eigentlich der Lärm ein Problem für 1000 m entfernte Anwohner? Ein peinliches Zeugnis der Geisteskraft deutscher Beamter! Bei den Erörterungsterminen hat das Landratsamt immer wieder auf Unterlagen Bezug genommen, die nicht Teil der öffentlichen Auslegung waren, weil sie angeblich erst später zu den Akten gelangt seien. Hier wurden die Bürger immer darauf verwiesen, Anträge nach dem Umweltinformationsgesetz zu stellen. Diese wurden gestellt, die Unterlagen wurden nicht herausgegeben – entweder sind dem Landratsamt die entsprechenden rechtlichen Regelungen egal oder die Bürger sind schlicht angelogen worden, weil es die behaupteten Unterlagen zu keinem Zeitpunkt gegeben hat.
  2. Durch die verfrühte Durchführung des Erörterungstermins, um die öffentliche Auslegung maßgeblicher Unterlagen (z.B. zum Baugrund, zur Windhöffigkeit, zur Standsicherheit) zu vermeiden, wurden die Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit verletzt, weshalb das Verfahren und damit die Genehmigungen insgesamt rechtswidrig sind.
  3. Die Umweltverträglichkeitsstudie des Parteigutachters Beck war in vielen Punkten mangelhaft, teilweise hat der ausgebildete Geograf Beck den von ihm beauftragten Ökologen im Interesse seines Auftraggebers widersprochen. Die vorgeschlagenen Ausgleichsmaßnahmen sind unter ökologischen Gesichtspunkten absurd. Die Studie war daher als Planungsgrundlage insgesamt ungeeignet.
  4. Windhöffigkeit: Die wichtigste Begründung für einen schweren Eingriff in ein funktionierendes Ökosystem ist die Erzeugung von viel Windenergie, was mit der Einsparung von Co2 und der Bekämpfung des Klimawandels gleichgesetzt wird. Es wurde von der Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. immer bestritten, dass ein Windertrag erzielt werden kann, der den Vorgaben des Windenergieerlasses für eine Wirtschaftlichkeit entspricht. Tatsächlich wird weiterhin vom Landratsamt im Verwaltungsverfahren nur auf eine Stellungnahme der Fa. RSC vom Mai 2012 Bezug genommen. Das kann nur bedeuten, dass die nachfolgenden Messungen per LIDAR und Windmessmast schlechtere Ergebnisse erbracht haben, die man nicht zu den Akten genommen hat, da das Projekt aus politischen Gründen durchzuführen ist. Wenn schon unsere Anträge nach UIG rechtswidrig abgelehnt werden, hätte ein verantwortlicher Beamter öffentlich erklären können, dass ein ordnungsgemäßes Windgutachten vorliegt und die 5,3 m/s in 100m Nabenhöhe überschritten wird (entspr. 60% Referenzertrag). Wir müssen davon ausgehen, dass das Projekt im Wesentlichen den finanziellen Interessen der Planer und der Kommunen, die die Pachteinnahmen erhalten, dient, ohne einen nennenswerten Beitrag zur Energiewende zu erreichen. Dies ist ein bekanntes Muster bei der Errichtung von Windparks.
  5. Bemerkenswert ist auch, dass immer wieder von der Bedeutung der Beteiligung von Bürgerenergiegenossenschaften gesprochen wird, obwohl es bisher nur die in Hardthausen gibt, die es auch zuvor schon gegeben hat. Mit Spannung werden wir beobachten, ob diese Bürgerenergiegenossenschaften weiterverfolgt werden und mit welchem Zahlenmaterial die den Bürgern versprochene Rendite von 5 % dann unterlegt wird. Es ist bekannt, dass die Anleger bei den meisten Windenergieprojekten tatsächlich keinen Gewinn machen, wohingegen die Verpächter, die Banken, die Projektierer und die Anlagensteuerung durchaus gut verdienen.
  6. Die Öffentlichkeit wird interessieren, dass es für den Fall eines schweren Störfalls am DLR keinerlei Notfallpläne auf der Ebene des Landratsamts oder des Regierungspräsidiums gibt. Immerhin das wurde uns bestätigt.

 

Was uns der Harthäuser Wald zu sagen hat ...

Was uns der HARTHÄUSER WALD zu sagen hat

Seit vielen Jahrhunderten stehe ich zwischen Jagsttal und Kochertal als ein geschlossener Wald, wie es ihn sonst im Unterland nicht mehr gibt. Mehr als 3/4 meiner Bäume sind Laubbäume wie Buche, Eiche, Ahorn und Esche. Sie passen zu meinem Standort und haben viele Vorgängergenerationen.

Über alle Zeit habe ich den Bürgern, die um mich herum wohnen, Arbeit und Brot gegeben, Schutz gewährt, habe ihnen Bauholz und Brennholz geliefert, Beeren, Pilze, Buchele und Eichel für Mensch und Vieh gespendet und ganz selbstverständlich für guten Boden und gute Luft, sauberes Wasser und ausgeglichenes Klima gesorgt. Und wer immer wollte, konnte beim Durchwandern Erholung und vor allem Ruhe finden.

Dafür haben mir die Menschen die ganze lange Zeit gedankt und mich gehegt und gepflegt. Selbst in Zeiten von Hungersnot haben sie mich nicht angegriffen, um auf meinen guten Böden Getreide oder Kartoffeln anzupflanzen. Als ihr Wald, sollte und musste ich Wald bleiben.

Seit wir jetzt aber im Wohlstand leben, ist das leider nicht mehr so!

Wenn ich meine Umgebung betrachte, sind in den letzten 60 Jahren alle Gemeinden ungewöhnlich gewachsen - in den Tälern und aus den Tälern heraus. Es entstanden große Wohngebiete, riesige Gewerbegebiete und Logistikzentren. Die zuvor kleinräumige und strukturreiche Landschaft wurde in großen Teilen ausgeräumt und landwirtschaftlich intensiviert.

Fast komme ich mir wie der ruhende Pol in diesem rasanten Geschehen vor, allerdings nur fast. Denn die Entwicklung hat auch vor mir nicht Halt gemacht: in meinem westlichen Teil wurde die Autobahn A81 mit allen andauernden Nebenwirkungen durchgezogen und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gebaut. Rund eine Million Quadratmeter meiner Waldfläche gingen dadurch verloren. Für unsere moderne Infrastruktur habe ich damit schon sehr große Opfer erbracht.

Trotzdem soll jetzt aber der Angriff auf mich über die ganze Restfläche gehen!

Für 18 Windräder mit einer Gesamthöhe von jeweils 200m läuft das Genehmigungsverfahren, im landeseigenen Teil von mir sollen noch weitere 8 bis 10 hinzukommen. Die Energiewende, die auch ich begrüße, sollen sie befördern. Dabei höre ich, dass es derzeit ausreichend, ja oft sogar zu viel Strom gibt.

Und selbst wenn man mich mit Windkraftanlagen zupflastern würde, wie es unsere Landesregierung gerne hätte, wird die erzeugbare Strommenge für Haushalte, Gewerbe und Industrie bei weitem nicht ausreichen.

Statt dessen bräuchte man zunächst dringend den Bau von Leitungen für Strom, der z.B. von Norden aus Anlagen über dem Meer kommen könnte und Speicherkapazitäten für windarme Zeiten, die ich jahrein, jahraus hier bei mir besonders spüre.

Noch einmal muss ich, der Harthäuser Wald, nun aber von mir selbst sprechen: Ich bin viel mehr als nur die Summe der Bäume, die in mir stehen. Den Lebensraum, den ich bilde, füllen unzählige Pflanzen und Tiere in großer Reichhaltigkeit und Vielfalt. Neben Moosen, Flechten, Gräsern, Kräutern, Blumen und Sträuchern krabbelt, kriecht, schwimmt, springt und fliegt es über verschiedene Stockwerke. Schon in jedem Kubikmeter Waldboden leben Millionen von Mikroorganismen und Bakterien. Jeder Kubikmeter, der für den Windradbau abgeschoben oder ausgebaggert wird, nimmt ihnen Lebensraum und Leben. Und genau so wird es vielen anderen Tieren gehen, von denen es mehr Arten gibt, als selbst meine Betreuer bisher wussten.

Nur als Beispiel genannte wohnen unter meinem bisher unbeschädigten Dach allein 18 Fledermausarten, unter ihnen einige sehr seltene und hochgefährdete wie die Mopsfledermaus, die große Bartfledermaus und das graue Langohr, die ebenso wie viele Vogelarten vor allem der majestätisch schöne Rotmilan, der Schwarzmilan und die Waldschnepfe durch Bau und Betrieb von Windkraftanlagen in ihrem Bestand massiv bedroht sind.

Alle Pflanzen und Tiere bilden eine große Lebensgemeinschaft in einem ökologisch ganz wichtigen, aber auch höchst sensiblen Zusammenwirken. Wie in einer Umweltverträglichkeitsstudie geschehen, kann man dieses System in viele Teile zerlegen und diese einzeln bewerten sowie die zu erwartenden Schädigungen benennen. Es ist jedoch unmöglich, dieses Puzzle danach wieder zusammenzusetzen, weil es dem Ausgangsökosystem in keiner Weise mehr zu entsprechen vermag.

Jeder, der erzählt, ich der Harthäuser Wald würde mich durch und mit dem Bau von 28 Windkraftanlagen nicht verändern, meinen bisherigen Charakter behalten oder sogar wie der Gutachter, ein Herr Beck aus Darmstadt, behauptet, ökologisch wertvoller werden, irrt!!

Jeder Bürger kann ermessen, dass allein die Zufuhr der riesigen Windräder, der für sie notwendige Fundament und Wegebau mit insgesamt rund 100 000 Tonnen Schotter und Beton, angeliefert von rund 13000 Lastkraftwagen, der anschließende Betrieb auch mit laufenden Wartungsfahrten und der gegenüber der heutigen Waldesruhe ständigen Lärmbelastung die Lebensgemeinschaft Harthäuser Wald unumkehrbar zerstört.

Planer, Betreiber, Behörden und Entscheider reden ja leider nicht mit mir, aber ich spüre deutlich, dass sie sich der Verantwortung mir, dem Harthäuser Wald gegenüber nicht bewusst sind. Sie wollen der über Jahrhunderte bewahrten nachhaltigen Generationengerechtigkeit gerade nicht gerecht werden!

Wie bitte will man etwas Gutes wie die Energiewende schaffen, wenn man dafür gleichzeitig mich als wertvolles Waldgebiet massiv stört, in Teilbereichen zerstört?

Im Blick auf den vorhergesagten Klimawandel wäre die uneingeschränkte Walderhaltung zwingend notwendig. Es ist widersinnig, den Wald, der selbst Klimaschutz darstellt, für den Klimaschutz roden zu wollen.

Der Klimawandel wird auch bei uns das Wetter extremer werden lassen: Heftigere Stürme werden den durch die Windräder an vielen Stellen aufgerissenen Wald fortlaufend schädigen.

Starkregen werden auf einen vielerorts betonierten Bodenschwamm treffen, der dadurch einen guten Teil seiner bisherigen Speicher- und Reinigungsfunktion verloren hat, zum Schaden des Grundwassers.

Hitzeperioden treffen auf einen Wald, dessen ausgleichende Klimawirkung stark geschädigt ist und die abendliche Frischluftzufuhr für Jagsttal und Kochertal wird ausbleiben.

Die zahlreichen geplanten Windkraftanlagen werden meinem so natur- und landschaftssensiblen Waldstandort nur schaden und auch das ökologische Gleichgewicht der ganzen Umgebung schädigen und damit alle Menschen treffen.

Deshalb rufe ich alle diese Menschen auf, mir zu helfen und deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass sie das geplante Vorhaben nicht wollen!

Die Energiewende wird ganz gewiss nicht scheitern, wenn der Harthäuser Wald ohne Windkraftanlagen bleiben darf, wie er ist.

 

- die Gedanken des Harthäuser Waldes wurden übermittelt von ForstDir. i.R. Michael Domay, der ihn wie kaum ein anderer kennt und versteht -

 

 

 

Bericht über die Infofahrt in die Eifel am 5. Juli 2014

von Annette Schwarz von Specht

5.7.2014, Protokoll zum Ausflug in die Eifel zu Förster Peter Wohlleben

(Alle fachlichen Aussagen stammen von Herrn Wohlleben; ich habe versucht, möglichst ausführlich mitzuschreiben.)

Die Gemeinde Hümmel hat eine eigene Forstverwaltung. Die Kommunen sind hier unabhängig.

Es wurden für den Forst Naturschutzstandards angewandt, die diejenigen von Nationalparks übertreffen. 15% der Waldflächen wurden zum Waldreservat erklärt (alte Laubwälder).

Die Gemeinde Hümmel hat auch keine Flächen für WEA ausgewiesen. Im Umkreis von 30 km2 werden keine WEA gebaut.

Uns wurde ein 140jähriger Eichenbestand gezeigt, der vor 20 Jahren als Totalreservat aus der Nutzung genommen wurde. In ihm befindet sich ca. 40-50 m3 Totholz/ha. Zum Vergleich: Offiziell sollten in Wäldern 16 m3 Totholz/ha verbleiben, inoffiziell sind es jedoch in der Regel nur 2 m3/ha (da auch Kleinholz wie Zweige etc. mit hineingerechnet wird, das aber nicht den ökologischen Wert von großen, möglichst noch stehenden Totholzstämmen hat). In Urwäldern findet man ca. 200 m3/ha.

Da es in unserem Klima keine natürlichen reinen Eichenwälder gibt, entwickelt sich auch dieser Wald allmählich zu einem Buchenwald.

(Anm. z. Eichenprozessionsspinner: Dieses Problem ist menschengemacht. Der Eichenprozessionsspinner geht nur an besonnte Eichen.)

Pro Hektar sollten (nach BAT oder ähnlichen Vorgaben) 5-10 Bäume als künftiges stehendes Totholz (auch "Habitatbäume" oder "Ewigkeitsbäume" genannt) verbleiben. Sie werden schon zu Lebzeiten ausgesucht. Da jedoch zu stehendem Totholz ein bestimmter Abstand für die Bewirtschaftung vorgeschrieben ist (aus Sicherheitsgründen), werden sie nach ihrem Absterben häufig doch gefällt, dafür wird ein neuer Baum als künftiger "Totholzbaum" (oder Habitatbaum) ausgesucht.

(Anm. z. Nationalparks: Gerne werden Fichtenbestände als Nationalpark ausgewiesen, da diese vorher noch "geerntet" werden dürfen.)

Die Fichte ist in Deutschland nur auf wenigen Standorten natürlich, vor allem im Gebirge kurz vor der Baumgrenze. Deutschland ist zu 80% ein Lauburwaldgebiet (auch der Schwarzwald!). Inzwischen bestehen unsere Wälder jedoch zu fast 2/3 aus Nadelwald. Die ursprüngliche Heimat der Nadelbäume ist Skandinavien und die russische Taiga. Dort wachsen die Nadelbäume wegen des kalten Klimas mit langen Wintern sehr langsam. Sie sind darauf eingerichtet, bei Erwärmung sofort mit der Holzproduktion anzufangen, um die kurze Vegetationsperiode ausnutzen zu können. In unserem Klima wachsen sie deshalb sehr schnell und werden auch viel größer als in ihrer nördlichen Heimat. Ab einer Höhe von 25 m sind sie aber nicht mehr stabil und werden sehr leicht vom Wind umgedrückt.

(Anm.: Die bei uns geschützte Rote Waldameise ist ebenfalls nicht bei uns heimisch, sondern ein Kulturfolger.)

Die letzten großflächigen Buchenurwälder der Erde befinden sich im Nordiran.

Bodenverdichtung:

Einmal verdichtete Waldböden können sich nicht mehr regenerieren; sie bleiben dauerhaft gestört. Heute noch lassen sich verdichtete Fahrspuren aus der Römerzeit feststellen. Durch den Einsatz immer schwererer Maschinen wird immer mehr Waldboden schwer geschädigt. Die Wirkbreite der Rückegassen reicht noch 1-2 m über ihre Breite hinaus.

Häufig ist von "Flachwurzlern" und "Tiefwurzlern" die Rede. Das trifft nicht zu, es gibt in Wirklichkeit keine Flachwurzler bei den Bäumen. Flache Wurzelteller werden nur auf gestörten Standorten ausgebildet.

Waldsterben:

In den 70er Jahren war der Säureeintrag durch Schwefelverbindungen in der Luft ein großes Problem, das zu Waldschäden führte. Heute gibt es kaum noch Säureeintrag. Trotzdem findet man immer wieder Kronenschäden (bei der Buche sichtbar an kahlen Zweigen im Wipfelbereich, gefolgt von Kronenverkleinerung). Diese können in Einzelfällen durch Grundwasserabsenkung verursacht werden; häufig sind sie jedoch eher forstwirtschaftlich verursacht. Bei Durchforstungsmaßnahmen wird das komplexe Sozialsystem der Baumbestände vor allem in Form von Wurzelverbindungen ge- bzw. zerstört. Den verbleibenden Bäumen geht es nicht besser (durch weniger "Konkurrenz"), sondern schlechter.

"Mutter-Kind-Beziehungen" bei Buchen:

Junge Buchen, die unter Altbäumen aufwachsen, empfangen nur ca. 3% des Lichtes. Deshalb wachsen sie zunächst nur sehr langsam. Sie bekommen aber über die Wurzeln so viel Zuckerlösung von den Altbäumen, wie sie zum Überleben brauchen. Das langsame Wachstum führt zu einem sehr dichten, zähen, elastischen Holz. Der Baum ist später viel weniger anfällig sowohl für Krankheiten als auch für Sturmschäden. Sobald der Altbaum abstirbt, kann das kleine (1,5-2 m hohe) Bäumchen (das durchaus schon 100 Jahre alt sein kann!) das Licht ausnutzen und in die Höhe und Breite wachsen. Es war für uns sehr eindrucksvoll, so einen 80-100jährigen "Zwerg" neben seiner riesigen 200jährigen Mutterbuche zu sehen.

Bei einer gewünschten Umwandlung von Fichtenwald in Buchenwald sollte kein Kahlschlag vorgenommen werden, sondern die Altfichten als "Ersatzeltern" genutzt werden.

Durch die laufende Auslese im Forst (Herausnehmen von Bäumen mit unerwünschten Eigenschaften) wird der Genpool der Buche stark reduziert. (Der für die forstwirtschaftliche Nutzung unerwünschte Drehwuchs ist eigentlich kein negatives Merkmal, da er ein elastisches Federn des Stammes ermöglicht. Wird er ausgemerzt, gibt es dadurch mehr Sturmschäden.) Das ist auf lange Sicht sehr negativ, da ein großer Genpool die enorme Anpassungsfähigkeit der Buche auch z.B. an Klimawandel ermöglicht. (Die Buche toleriert Temperaturerhöhungen im langjährigen Mittel von bis zu 5°C!)

Deshalb ist es sehr wichtig, zwischen den forstwirtschaftlich genutzten Beständen immer wieder kleine Totalreservate einzustreuen, um den Genpool zu erhalten.

Bäume können auch lernen: Nach trockenen Sommern gehen z.B. Buchen anders mit dem Wasser um; sie sind in der Lage, das vorhandene Wasser effizienter zu nutzen.

Bei starker Hitze kann es im Buchenwald bis zu 10°C kühler sein als außerhalb!

Das Wurzelwerk von Bäumen kann wahrscheinlich sogar als Informationsspeicher dienen. Manchmal findet man im Wald Reste sehr alter Baumstümpfe, die immer noch lebendiges Holz besitzen, weil sie von den umliegenden Bäumen am Leben erhalten werden.

Auch Bäume können einen individuellen "Charakter" haben. Herr Wohlleben zeigte uns eine "Dickkopf-Buche", die jedes Jahr aus den alten Aststümpfen am Stamm neue Äste austreibt, die dann später wieder absterben. Normalerweise wachsen Buchen eher relativ glatt in die Höhe, alte Aststümpfe werden überwallt und treiben nicht wieder aus. Aber offensichtlich gibt es (wie unter Menschen) auch solche, die gerne mit dem Kopf durch die Wand gehen wollen.... ;-)

Holz als Brennstoff ist in der CO2-Bilanz nicht so günstig wie oft behauptet, es liegt etwa zwischen Öl und Gas.

In natürlichen Wäldern wird bei Verrottung der abgestorbenen Bäume das CO2 nur teilweise wieder freigesetzt, die Hälfte wird im Waldboden gespeichert. Ein intakter, ungestörter Waldboden ist der beste CO2-Speicher. (Studie "Carbo Europe")

Wir besichtigten auch den "Ruheforst Hümmel", einen sehr schönen, sehr alten Buchenbestand. Der Wald stockt hier ununterbrochen seit ca. 4000 Jahren! Früher fand eine Nutzung von Einzelbäumen statt, seit 20 Jahren ist er jedoch komplett aus der Bewirtschaftung genommen; es findet nur noch Verkehrssicherung statt. Durch die Nutzung als Ruheforst ist der Wald für 100 Jahre gesichert.

Heute ist nur 1 ‰ des Waldes in Deutschland noch unbeeinflusst vom Menschen. Die Forstwirtschaft gibt die Fläche von Beständen ≥ 160 Jahre mit 3 ‰ an. Diese Fläche ist jedoch nicht einmal dauerhaft geschützt.

Natürlich gibt es in diesem alten Buchenwald auch Tiere, die auf Baumhöhlen angewiesen sind wie den Schwarzspecht und die Bechsteinfledermaus. Letztere wechseln alle 2-3 Tage die Baumhöhle, um zu starkem Parasitenbefall zu entgehen. Bei der Untersuchung von Bechsteinfledermäusen aus diesem Wald stellte man fest, dass sie völlig parasitenfrei waren. Daraus kann man schließen, dass sie mindestens 50 Baumhöhlen zur Verfügung haben. Hochgerechnet kommt man auf einen Bestand von 150 Baumhöhlen im näheren Umkreis, ein Hinweis auf den ökologischen Wert und den hohen Totholzgehalt des Waldes.

Abschließend stellten wir Herrn Wohlleben noch die Frage, wie man als Bürger auf die Bewirtschaftung des Waldes Einfluss nehmen kann. Er sagte uns Folgendes:

  • Öffentlicher Wald (Staats- und Kommunalwald) gehört der Gemeinschaft, also den Bürgern. Der Förster ist nur Auftragnehmer.
  • Forstwirtschaftspläne werden in öffentlichen Sitzungen verhandelt. Dabei kann man fordern, dass sie in allgemeinverständlicher Form dargestellt werden (was häufig nicht der Fall ist). Man kann sie dann kritisch hinterfragen. Bei Bedarf kann man Eingaben an das Umweltministerium machen.

Als Beispiel nannte Herr Wohlleben eine BI bei Bonn, die im Zuge eines Mediationsverfahrens einen Vertrag mit der Staatsforstverwaltung abgeschlossen hat. (http://www.waldfreunde-koenigsdorf.de/)

Alles in allem eine sehr informative Veranstaltung, die allen Beteiligten viel Stoff zum Nachdenken gegeben hat!

Bilder gibt es hier: http://www.schutzgemeinschaft-harthaeuser-wald.de/j/index.php/bilder/2014-07-05

 

 

Die Vorbereitungen laufen ...

Die Vorbereitungen für einen der größten Naturfrevel in der Geschichte des Harthäuser Waldes scheinen schon auf vollen Touren zu laufen. Ein Spaziergang durch den herbstlichen Wald zeigt, dass bereits zahlreiche Bäume markiert wurden und Pflöcke die zu erwartenden Bauarbeiten markieren. Während das Landratsamt noch immer beteuert, es sei (noch) nichts entschieden gibt die ZEAG Energie AG in einer Pressemeldung bekannt, dass Baugrundvoruntersuchungen laufen:
http://www.zeag-energie.de/media/1404/141027_PM_Baugrunduntersuchung_Harth%C3%A4user_Wald.pdf

Zudem wurde für die bevorstehende Industrialisierung des Waldes das Genehmigungsverfahren über die Zuwegungen vorsorglich schon mal nicht-öffentlich abgehandelt.

Das Landratsamt Heilbronn hat der Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald e.V. bisher entgegen den Diskussionen in den Erörterungsterminen die beantragte Einsicht in das Windgutachten nach UIG mit fragwürdigen Begründungen verweigert und schon vorbeugend darauf hingewiesen, dass die Windhöffigkeit nicht Gegenstand des Genehmigungsverfahrens sei. Offenbar sind sich bereits jetzt VOR Baubeginn die Beteiligten darüber im Klaren, dass das Unternehmen wirtschaftlich keine Aussicht auf Erfolg haben wird. Anders ist es nicht zu erklären, warum uns der Blick in die Antragsunterlagen verweigert wird. Einzig der im Erörterungsverfahren bemängelte Standsicherheitsnachweis wurde nachgeliefert, enthält jedoch noch immer keine Berücksichtigung der in der Umgebung der geplanten Standorte zeitweise erheblichen Anregungspotentiale durch Versuche des DLR. Überhaupt wurden keine nunmehr örtlich durch Messungen vorliegenden Turbulenzprofile als Umgebungsvorbelastung verwendet sondern weiterhin Abschätzungen aus räumlich sehr weit entfernten Messdaten.

Bilder gibt es hier: http://www.schutzgemeinschaft-harthaeuser-wald.de/j/index.php/bilder/2014-11-02

 

Infofahrt in die Eifel am 5. Juli

Liebe Waldfreunde,

der Verein Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald ist gegründet worden, weil wir uns auch nach einer eventuellen Entscheidung zu den von uns abgelehnten Windkraftanlagen für diesen Wald engagieren wollen.

In diesem Zusammenhang wollen wir am Samstag 5. Juli 2014 eine Informationsfahrt zu Peter Wohlleben in die Eifel machen, einem bundesweit bekannten Pionier naturnaher Waldbewirtschaftung ( http://www.peter-wohlleben.de/index.html , https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Wohlleben ). Die Exkursion wird dort von 14 bis ca. 16 Uhr dauern, so daß wir abends wieder hier sind.

Wenn Ihr Interesse habt, meldet Euch, damit wir wissen, wer und wieviele teilnehmen wollen und wir auch Fahrgemeinschaften bilden können.